Wie ich ja schon im letzten Beitrag berichtete, waren André und ich in Hannover unterwegs mit Andrea, Britta und Davia. Heute möchte ich euch gerne die Fotos zeigen, die mit Britta entstanden sind. Ich war total hin und weg von dem Gewächshaus mit den Kakteen drin. Dass ich Brittas Fotografie liebe, dürfte inzwischen kein Geheimnis mehr sein, denn ihr findet auf meinem Blog eine Menge Fotostrecken mit ihr. Auch diese hier reiht sich gerne ein.

Inzwischen bin ich 25 Jahre alt. Über 20 Jahre in meinem Leben hatte ich immer „beste Freundinnen“ – so unterschiedlich sie alle waren, so hatten sie leider letztlich eins gemeinsam: Sie waren nur in einer bestimmten Lebensperiode meine beste Freundin. Meine liebe Freundin L., die ich seit 25 Jahren in meinem Leben habe, war nie „beste Freundin“, sie war immer eine „Schwester“. Und ich hätte schon als Kind ahnen müssen: dieses Konzept funktioniert so viel besser. ❤ Doch alle Freundschaften seit der Grundschule, die daneben bestanden und enger waren, als die anderen Freundschaften, die wurden direkt in eine Schublade gestopft. Und sobald eine zwischenmenschliche Beziehung in einer solchen Schublade ist, entstehen Erwartungen. Erwartungen, die beide Seite nicht immer erfüllen können. Unerfüllte Erwartungen bedeuten Enttäuschung. Enttäuschung bedeutet früher oder später eine krasse Veränderung der Freundschaft. Manchmal sogar ihr Ende.

Jede „beste Freundin“, die ich in meinem Leben hatte, hat einen Platz in meinem Herzen – denn zu einer bestimmten Zeit meines Lebens waren sie unersetzlich. Sie war wichtig, man hat bestimmte Erlebnisse zusammen gehabt, die das Leben verändert haben und einen geprägt haben. Ich kann mir vorstellen, dass sicherlich sogar die ein oder andere dies hier liest und sich angesprochen fühlen könnte. Vielleicht könnt ihr dann auch verstehen, wieso dieses Konzept „best friends“ bei mir nicht funktioniert. 25 Jahre hat es gebraucht, bis ich das begriffen habe. Was all diese Freundschaften nämlich auch gemeinsam hatten: sie haben in der Intensität, die sie hatten, nicht gehalten.Und oftmals hat man sich zunächst auseinander gelebt, doch weil das so schlecht zu akzeptieren ist, gab es meistens noch einen großen (oftmals) unnötigen Knall. Ich will keinen Knall mehr. Keinen Streit, keine Tränen. Nicht so. Jede Freundschaft hat mal ihre Höhen und Tiefen. Ihre Zeiten, in der man täglich weiß, was die andere zum Frühstück hatte, und Phasen, in der man sich monatlich mal updatet. Wichtig ist, dass beide Seiten damit umgehen können, dass sich Freundschaften verändern, und wissen: miteinander Zeit verbringen ist zwar ein Faktor, aber nicht DER Faktor, der die Freundschaft unersetzlich macht.

Ist nun also die Konsequenz keine guten Freundinnen mehr zu haben? Nein! Natürlich nicht. Doch ich habe für mich beschlossen Freundschaften nicht mehr auf diese riesen riesen Ebene voller Erwartungen zu heben, sondern sie eben so sein zu lassen, wie sie sind. Mal mit viel Kontakt, mal mit wenig. Mal teilt man wirklich alles miteinander, mal nur bestimmte Themenbereiche. Denn wird nicht mehr so viel erwartet, dann kann auch keine Erwartung gebrochen werden. Seitdem ich das so handhabe, habe ich besonders vier Menschen in meinem Leben, die eine riesige und wichtige Rolle spielen, und die sicherlich vor einigen Jahren alle „DIE beste Freundin“ hätten sein können. Doch ich will niemanden mehr in eine Schublade stopfen – und zu viert wird es ja auch sehr unbequem in dieser Schublade. Jede von ihnen steht parallel und gleichberechtigt nebeneinander in meinem Leben. Denn uns verbinden alle so unterschiedliche Dinge, dass mir niemals einfallen würde, eine als wertvoller zu sehen. Und das Schöne an diesem Konzept ist: es gibt auch keine Eifersucht. Niemand, der neidisch ist, weil ich mich mit xyz treffe, niemand der sich ausgegrenzt fühlt.

Ich musste wohl erst Erwachsen werden, um zu begreifen, dass Freundschaften nichts stressiges sein muss, sondern einfach neben der Liebe die schönste Sache dieser Welt. Ich musste begreifen: nur wenn ich mit mir selbst zufrieden und glücklich bin, dann kann ich loslassen von dem Gedanken, dass ich eine einzige Freundin brauche, die auch nur mich als einzige wichtige Freundin sieht. Freundschaften unter anderem Licht zu sehen setzt letztlich wohl auch voraus, dass man Erfahrungen gemacht hat, die nicht immer positiv geendet haben. Meine beste Freundin bin nun also ich. Und genau das erlaubt es mir, die wundervollen Freundschaften zu führen, die ich führe. ❤

Fotografin: Britta Beutnagel. Besucht Britta unbedingt auf ihrer Flickr-Seite! Ihre Arbeiten sind für mich immer wieder faszinierend anzuschauen und ihr Stil ist wirklich einzigartig!

2 Comments

  1. Sehr schöner Beitrag. Ich habe nach fiesen und unnötigen Enttäuschungen auch damit aufgehört, einer guten Freundin diesen Titel zu verleihen. Was war das alles anstrengend. Aber es ist wohl normal so? Für jede lebensphase eine Freundin. Deswegen ist es ja auch in der Partnerschaft so schwer über Jahre hinweg einen gemeinsamen Weg zu bestreiten. Aber an dieses Konstrukt glaube ich zumindest noch, dass es schaffbar ist 😉 Irgendwie 😉

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