Als André und ich im Sommer 2016 in den Flitterwochen waren, hatte er auch seine analoge Kamera mit. Heute will ich euch endlich die Ergebnisse zeigen (und ein nicht-analoges Bild) und wieder einmal mit euch meine alltäglichen Gedanken teilen. Täglich werden wir bei Instagram, Facebook und sonstigen sozialen Medien damit konfrontiert, dass wir doch alle „wir selbst“ sein sollen, jedoch bloß nicht zu 100%, sondern doch eher die von uns selbst inszinierte Version. Was ich darüber denke, und wieso ich analoge Fotografie so mag, lest ihr heute:

 

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Wir alle entscheiden ganz alleine, was wir ins Netz stellen wollen: Welche Bilder veröffentlichen wir, welche Informationen schreiben wir dazu – was geben wir von uns preis? In Zeiten von Instagram, Facebook, Snapchat, YouTube und weiteren Plattformen kann man, wenn man möchte, seinen kompletten Tagesablauf mit jedem auf dieser Welt teilen. Glücklicherweise tun das die wenigsten Menschen, doch oft passiert etwas viel Gefährlicheres: Man entscheidet, welche Informationen man teilt, welche man verheimlicht und vermittelt dadurch ein inszeniertes Bild von sich. Das ist an sich ja nicht verwerflich, da wir alle das so tun. Doch es gibt Menschen, die tatsächlich glauben, die Tagesabläufe von Menschen in sozialen Medien sind so, wie sie es darstellen und die „spontanen“ Schnappschüsse sind wirklich spontan und #nomakeup ist auch wirklich ohne Schminke und Bearbeitungsapps. Dadurch werden unsere Selbstansprüche immer höher, sehen andere Menschen frisch aus dem Bett doch wirklich frisch aus, und können sich spontan in den Sonnenaufgang stellen und ach so lässig in die Kamera gucken. Kaum jemand macht sich bewusst, dass auch bei Schnappschüssen häufig neben dem einen guten Bild bestimmt 100 schlechte Bilder stehen.

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Ich lieeeebe die digitale Fotografie mit all ihren Möglichkeiten und der Nachbearbeitung. Ich finde es faszinierend, was alles möglich ist und dass man die Chance hat doofe Pickel wegzuretuschieren und Augenringe ins Jenseits zu verbannen. Ich mag, dass doofe Lichtverhältnisse vor Ort angepasst werden könnten oder man den Bild-Look einfach so verändern kann, bis er die Stimmung erzeugt, die man erzeugen will. Deswegen ist meine Euphorie über Analogfotografie bitte nicht als Abwertung von digitaler Fotografie zu verstehen. Denn vieles, was mir an analogen Bildern gefällt, kann auch mit digitaler Fotografie geschafft werden. Ich mag beides sehr gerne.

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Doch warum fasziniert mich analoge Fotografie so sehr? Momente werden so eingefangen, wie sie sind. Es werden Einstellungen getroffen, der Fokus gesetzt und dann abgedrückt. Eine Chance für ein Motiv und man kann nicht mal direkt nach schauen, ob es was geworden ist und 30 Back-Up-Bilder machen. Analoge Fotografien sind – sofern sie nicht nachretuschiert sind – so rein und pur und einfach ehrlich. Natürlich sind Motive deswegen nicht immer „aus Situationen heraus“ gegriffen, sondern können trotzdem inszeniert sein, aber in dieser Inszenierung steckt eben dieser eine Moment, der eingefangen wurde. Das Bild hatte diese eine Chance zu entstehen. Man hat keine Auswahl von 20x demselben Motiv – es gibt nur das eine Ergebnis. Damit macht man sich letztlich auch viel weniger Stress. „Welches Bild gefällt mir am Besten? Wo komme ich gut zur Geltung?“ Diese Fragen muss man sich gar nicht stellen. Das sollte man viel öfter im Leben so handhaben.

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Grundsätzlich mag ich Fotografie aus „fremder Hand“ (ganz egal ob digital oder analog) lieber als Handy-Selfies. Und das aus eben aus dem simplen Grund: Man selbst muss sich viel weniger Gedanken machen, wie was ankommen könnte. Zusätzlich wird man fotografiert, wie man von anderen gesehen wird. Dabei hängt der Blickwinkel natürlich ganz vom Fotografen ab. Man selbst hat aber nicht mehr viel in der Hand – außer eben man selbst zu sein, oder eine Rolle zu spielen. Und ich habe im Laufe der Zeit gemerkt, dass ich lieber ich selbst bin vor der Kamera, als mich in Rollen zu versetzen.

ruske-e100-4481-08Und genau diesen Anspruch möchte ich auch im wahren Leben für mich umsetzen: Man selbst sein. Keine Rolle spielen. Für keine Likes dieser Welt „so tun als ob“. Das Schöne am „man selbst sein“ ist, dass ich das auf viele verschiedene Arten kann. Ungeschminkt oder geschminkt. Mit gemachten, frisch gewaschenen oder von Meerwasser salzigen Haaren. Mit Klamotten oder mit weniger Klamotten. Analog und aus dem Moment heraus oder digital, bearbeitet und gestellt. Das alles bin ich, solange ich dabei mich zeige und nicht das, was andere gerne hätten.
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Fotograf: Mein wunderbarer Ehemann André Ruske – digital und analog ein Künstler. Schaut unbedingt auf seiner Homepage vorbei: www.andreruske.de Dort findet ihr auch alle weiterführenden Links zu Facebook, 500px, Instagram etc. 🙂

5 Comments

  1. Schöner Beitrag. 🙂 Ich mag den Look von analog fotografierten Bildern auch sehr, weil sie Momente einfach gut einfangen, einfach so wie sie gerade sind und nicht total perfekt.
    Liebe Grüße.

    1. Dankeschön! 🙂 Jaaa genau das gefällt mir auch sehr gut. Sie zeigen halt den einen Bruchteil der Sekunde in der abgedrückt wurde. 🙂 Ganz liebe Grüße an dich zurück.

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