Im Sommer waren Janine Vogler und ich im Herzen Braunschweigs unterwegs und haben etwas für uns beide ganz neues ausprobiert: Graffiti statt Natur. Schwarzer Lippenstift zusätzlich zu Nudetönen. Das Shooting hat viel Spaß gemacht, was die Ergebnisse, so glaube ich, auch verraten. 🙂 Heute gibt es die Bilder erneut mit einigen Gedanken dazu für euch zu sehen. Ich glaube ich hatte noch nie so eine Schaffenskrise, wie bei diesem Beitrag, einfach weil ich mit einem komplett anderen Thema gestartet habe, nur um festzustellen, dass es doch nicht so passend ist. Also den kompletten Text gelöscht und bei null gestartet. Manchmal hilft nur der Reset-Knopf.

Bedeutungsschwer hängt das Jahr 2016 über unseren Köpfen – hat es doch jeden in irgendeiner Form geprägt. So wie jedes Jahr, jeder Tag und jede Sekunde es nunmal tut. War dieses Jahr wirklich alles so schlimm und so anders? Es sind viele prominente Menschen gestorben. Und es sind viele gestorben, die nicht prominent waren. Es sind Menschen viel zu früh gestorben. Im Krieg. An Hunger. Vor Kälte. Man selbst sitzt hier auf seinem gemütlichen Sofa, sieht die Schreckensmeldungen auf dem Smartphone und kann jederzeit den Bildschirm wieder schwarz werden lassen und all die Katastrophen ausblenden.

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Wir leben in dem Luxus, uns grundsätzlich nicht durchgängig Sorgen machen zu müssen. Machen viele hier trotzdem. Doch was hat man denn davon? Wir lesen eine Schreckensmeldung und sind empört, sind betroffen, fühlen uns als müssten wir irgendetwas darüber fühlen. Da werden auch schon fleißig Beileidsbekundungen im Internet gepostet & das Profilbild enthält nun unweigerlich die Botschaft: Ich trauere. Je dichter das Ereignis, desto größer die Trauer. Doch ich glaube, ihr betrauert in Wirklichkeit euer eigenes Leben, eure Angst, dass euch so etwas passieren könnte. Ihr bekundet die Erleichterung, dass es euch und euren Lieben nicht passiert ist. Man sollte natürlich niemals den Schmerz der großen weiten Welt auf sich laden, doch ist selektiver Weltschmerz vielleicht nur falsch verstandene Empathie? Versteht mich bitte nicht falsch, denn ich bin auch getroffen, wenn ich die Schreckensmeldungen aus der Welt so lese. Ich gehöre zu den Menschen, die nach der Wahl Trumps gegoogelt haben, wie wahrscheinlich es ist, hier in Deutschland Atombombenangriffe auf den Kontinent Europa zu überleben. Ich habe mich für eine geschlagene Stunde von purer Angst vor diesem blonden, machtgeilen Monster dazu hinreißen lassen Szenarien zu googeln, die vermutlich gar nicht statt finden werden. Und dann habe ich mir in den Hintern getreten und den Weltschmerz von meinen Schultern abgeschüttelt. Denn ich muss mich nicht in ein schwarzes Loch reißen lassen, nur um all das Leid wirklich wahrzunehmen. Davon haben die Menschen, denen es schlecht geht nämlich gar nichts!

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Ja, ich habe Angst vor der Entwicklung, dass rechte Parteien und menschenfeindliche Gruppierungen wieder Zuspruch finden und sich still und heimlich in die „Mitte der Gesellschaft“ schleichen. Ja, ich bin besorgt darüber, dass besorgte Bürger sich besorgt schimpfen, obwohl sie einfach nur Hirngespinste haben. Und ich bin besorgt, dass man im 21. Jahrhundert manchen Menschen wirklich erklären muss, wieso die AfD gefährlich ist. Ich könnte weinen, weil manche Menschen offenbar die deutsche Geschichte vergessen haben und blinden Hass zulassen. Ich könnte schreien, wenn die Medien Terroranschläge mit den Flüchtlingen in Verbindung bringen. Ich könnte schreien, dass so viele Menschen diesen Blödsinn glauben und zu blind sind, um zu verstehen, dass die Menschen doch vor genau so einem Terror fliehen. Ich würde am liebsten wie ein kleines Kind den Atem anhalten, bis mir jemand sagt, dass die Präsidentsschaftswahl in Amerika und Brexit ein schlechter Scherz war.

dsc_1921finalDoch die Welt scheint sich momentan so zu entwickeln und wir können nicht sehr viel machen. Wir können Ruhe bewahren. Uns nicht von Angst leiten lassen. Wir können Mitgefühl zeigen und anderen Menschen helfen. Wir sollten (nach Gandhi!) die Veränderung sein, die wir uns für die Welt wünschen. Denn Angst und Hass kann keine Wurzeln schlagen, wenn der Nährboden fehlt. Wir können in kommende Generationen setzen. Können Kindern die Werte Empathie und Toleranz vermitteln und ihnen beibringen, wie wichtig es ist, achtsam mit der Natur umzugehen. Das sind die Chancen, die wir haben. Bloß nicht den Sand in den Kopf stecken und all den Weltschmerz mit jeder Pore des Körpers aufsaugen. Wenn wir nur noch angsterfüllt und traurig durch die Welt geben, dann saugt das unsere Energie aus, die wir bräuchten um die Welt ein kleines Stückchen besser zu machen.
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Für mehr Bilder der tollen Fotografin Janine Vogler schaut mal auf ihrer Facebook-Seite vorbei. Es war mir ein Fest und ich liebe liebe liebe unsere Ergebnisse! Vielen Dank. ❤

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