Wo man auch hinschaut in letzter Zeit: Alle sprechen über Pokémon. Während die einen gar nicht genug davon kriegen können und das Spiel und damit auch ein Stück ihrer Kindheit feiern, verurteilen die anderen die Handy-App zutiefst. Diesen Beitrag hier begann ich zu schreiben kurz nachdem die App auf den Markt kam. Jetzt, fast 2 Monate später, möchte ich ihn endlich veröffentlichen.

Habt ihr eigentlich nichts besser zu tun? Schaut euch doch mal um: Die Welt brennt. Es geht schief, was nur schief gehen kann. Menschen sterben. In ihren Ländern, weil Krieg ist. In einem Shoppingzentrum, weil ein Mensch ausrastet. In Afrika. Immernoch. In Kirchen. Überall. Sie sterben. Politiker versuchen die Welt zu kitten. Menschen, die ein Gehirn zum Denken haben nutzen es nicht und wählen die AfD. Wenn die Amerikaner keine Intelligenz zeigen, dann wird Donald Trump Präsident. Von der Türkei fange ich gar nicht erst an. Die Welt brennt. So viele Pflaster können wir gar nicht auf die Erde kleben, wie sie es bräuchte. Man kann nicht so viel fressen, wie man kotzen will. Ich kann stundenlang weitermachen.

Die Medien platzen aus allen Nähten mit reißerischen Überschriften. Jeder will mitreden. Die sozialen Netzwerken laufen heiß. Alle wollen etwas zu erst gesehen, erlebt, gefilmt und online gestellt haben. Zeit ist offenbar nicht mehr vorhanden. So schnell, wie unsere Gesellschaft sich fortbewegt, ist es kein Wunder, dass niemand mehr Zeit dafür hat, sein Gehirn einzuschalten.

Nun hat ein Unternehmen ein Handyspiel rausgebracht. Eine App, mit der man in Echtzeit Pokémon fangen kann. In deiner Umgebung. Ich bin ein Kind der 90er. Pokémon gehören zu meiner Kindheit genauso wie Diddl-Blätter und „kein Internet zu kennen“. Als Kind hat man es nicht mal geträumt, dass es eines Tages ein Telefon gibt, auf dem du ein Spiel hast, mit dem du Pokémon fangen kannst. Du schaltest die Kamera ein, und schwups sind die süßen japanischen Monster in deiner Umgebung zu sehen. Ernsthaft: Wie geil ist denn das?

Natürlich bin ich nicht die einzige, die so denkt. Es gibt so viele Leute, die dieses Spiel feiern und tagtäglich spielen. Und sie alle tun niemandem etwas. Anstatt, dass man draußen nun Smartphonezombies sieht, die sich Nachrichten schicken und stumpf durch ihre Facebooktimeline scrollen, sieht man nun Menschen, die in Grüppchen mit ihrem Smartphone spazieren gehen. Viele viele Kilometer (denn nur so kann man Pokéeier ausbrüten!) und sich dabei unterhalten. Sie lachen, freuen sich, wenn ein Pokémon in der Nähe auftaucht und freuen sich, wenn sie andere Spieler sehen, evtl sogar für eine kurze Unterhaltung anhalten. Ich habe in den letzten zwei Monaten viele Pokémon gefangen, bin – mit geöffneter App – über 100 Kilometer gelaufen und habe freiwillig mit so vielen Menschen geredet wie noch nie. Darunter leiden keine meiner anderen Aktivitäten.

Wie kann so etwas Positives denn schlecht sein?

Ich wiederhole vermutlich, was in hundert anderen Artikeln zu dem Thema auch schon steht, doch mir ist das wirklich wichtig. Jugendliche, die vielleicht keine Freunde haben, kommen endlich raus, gehen vor die Tür und lernen andere Menschen kennen. Viele Leute blühen auf, erinnern sich an ihre Kindheit, haben Spaß. Ist es soweit gekommen, dass man in dieser Gesellschaft keinen Spaß mehr haben darf? Warum fühlt man sich gestört dadurch, dass Menschen auf ihr Handy schauen, und dort – in Interaktion mit ihrer Umwelt – etwas spielen?

Die Idioten, die es beim Autofahren spielen, nach 22 Uhr laut unter Wohnhäusern rumbrüllen, Parks zumüllen oder vor einen Bus rennen, lasse ich mal außen vor. Ich garantiere, dass die auch ohne Pokémon einen Weg finden würden, ihre Dummheit zu präsentieren. Das ist eine Minderheit. Und genau diese Minderheit wird von Kritikern genommen und als Paradebeispiel für alle gesetzt. Pauschalisierungen sind in den wenigsten Fällen angebracht und so auch hier. Wir sind wirklich sehr oft draußen unterwegs, auch an den Stellen, wo sich viele Spieler rumtreiben und ich hatte noch nie ein ungutes Gefühl. Dabei bin ich sonst immer super skeptisch und unterstelle fast jedem Menschen mich ausrauben zu wollen.

Also anstatt ein einzelnes Spiel und die Smartphonenutzung im Allgemeinen zu verteufeln: Lasst den Leuten doch ihren Spaß. Was geht euch das an, was andere tun, solange sie niemanden damit verletzen?

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