Eine Ode an die Selbsteinschätzung.

Aus (fast noch) aktuellem Anlass möchte ich heute gerne mal ein paar Worte über das Thema „Selbsteinschätzung“ los werden und ein bisschen über das Modeln im Allgemeinen sprechen. Und da ich vor einigen vielen Wochen mit Christian von demmi photography unterwegs war, um Fotos zu machen, und diese gut zu meinen Gedanken passen, seht ihr diese nun auch. 🙂 Das Shooting hat wieder mal sehr viel Spaß gemacht. Beim dritten Mal ist man schon sehr gut aufeinander eingestimmt, sodass wir trotz des für uns unpassenden Wetters viele schöne Bilder machen konnten.

Inzwischen bin ich mir ziemlich sicher, dass die Person, die meine Gedanken zur Selbsteinschätzung losgetreten hat, meinen Blog gar nicht liest. Falls doch und sie sich auch noch angesprochen fühlt, dann wünsche ich der Person einfach nur, sich die Worte mal zu Herzen zu nehmen und am eigenen Verhalten und der Einstellung etwas zu ändern. Ich muss gestehen, dass die erste Fassung dieses Posts inhaltlich etwas aus allen Nähten platzte. Vermutlich habe ich noch nie so viel Text wieder gelöscht, nur um dann noch mehr zu schreiben. Irgendwie kam ich dann doch zu dem Entschluss, dass das, was meine Gedanken ausgelöst hat nicht verdient hat, so viel Raum in meinen Texten zu bekommen. Diesen Raum gebe ich lieber den allgemeinen Gedanken dazu. Ein bisschen Raum gebe ich dem Ganzen aber nun doch. Einfach, weil es oftmals besser ist, Gedanken rauszulassen, anstatt sie runterzuschlucken.

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Für mich persönlich ist eine der wichtigsten Charaktereigenschaften, die ein Mensch haben kann, die des sich-selbst-einschätzen-Könnens. Denn mal Hand aufs Herz: Wie viele Menschen rennen mit einem vollkommen falschen Bild von sich drum und projizieren dieses im schlimmsten Fall auch noch auf andere. Ich finde zur Selbsteinschätzung gehört eben auch, einschätzen zu können, wie die eigene Kommunikation bei anderen ankommen könnte. Wir erleben so oft falsch verstandene Kommunikationen zwischen Menschen. Besonders auf Ebene der virtuellen Medien, wie WhatsApp, Facebook, und und und. Wie mein Papa immer zu sagen pflegt: Man muss mindestens miteinander telefonieren, bei allem anderen entstehen so oft Missverständnisse. – Oh wie Recht er hat. Und wie ungerne ich einsehe, dass er in diesem Punkt Recht hat. Ich halte mich doch irgendwie daran fest, dass es im 21. Jahrhundert nun mal auch wichtig ist, über soziale Medien vernünftig miteinander „sprechen“ zu können.

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An dieser Stelle hier stand sehr ausführlich worum es eigentlich ging. Die Quintessenz der Geschichte tut es aber auch: Ich komm auf Teufel komm raus nicht damit klar, wenn Menschen Dinge wieder absagen, aber nicht den Arsch in der Hose haben, dies vernünftig zu formulieren, sondern die Absage zwischen den Zeilen verstecken. So eine Situation hatten wir schon vor der Hochzeit und ich habe meine Konsequenzen daraus gezogen. Nun gab es wieder so eine Situation. Das Schlimme daran ist eigentlich, dass ich in beiden Fällen kurzfristig überlegt habe, ob ich was falsch gemacht haben könnte. Ob ich was falsch verstanden haben könnte. Ob ich einfach nicht mit Menschen kommunizieren kann. Denn beide Male bekam ich gegen Ende der Diskussion pampige Antworte, die darauf hindeuteten. Der aktuelle Fall ist ein abgesagtes Shooting und am Ende musste ich mir anhören, dass ich wohl nicht mit Absagen umgehen könnte. Dabei ging es mir nie um die Absage, sondern um die Art und Weise dieser.

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Ich kann also nicht mit Absagen umgehen? Are you serious? Ich bin jemand, die immer mit offenen Karten spielt. Mir haben in der Vergangenheit einige Fotografen Shootinganfragen abgesagt (oder eben auf ihre Pay-Preise verwiesen) und das ist für mich vollkommen in Ordnung! Mir ist klar, dass mein Gesicht kein „Oh wow, die muss ich unbedingt vor der Kamera haben“ – Gesicht ist. Und da wären wir eben bei der Selbsteinschätzung. Denn ich kann mich selbst einschätzen. Zurück zur Absage: Ich kann mit Absagen umgehen. Womit ich nicht umgehen kann, sind kryptische Andeutungen, dämliche Ausreden und Gründe, die wirklich niemand nachvollziehen kann. Der Knaller war aber der Satz, dass es ihr Leid tut, dass ihr Leben eben nicht so perfekt sei wie meins, nachdem ich ihr sagte, dass sie in Zukunft doch einfach direkt ehrlich zu den Menschen sein soll.

Aha. Was genau hat denn der Wunsch nach einer deutlich und freundlich formulierten Absage mit einem perfekten Leben zutun?

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Abgesehen davon bin ich rückblickend betrachtet wirklich sehr froh, dass da niemals ein Shooting zustande gekommen ist. Jemand, der mir einen Strick draus drehen will, dass mein Leben aktuell verhältnismäßig entspannt verläuft, hat nichts in diesem Leben zu suchen. Jeder, der mich etwas genauer kennt, weiß, dass ich es nicht immer einfach hatte und dass ich verdammt viel gekämpft habe, um wieder glücklich sein zu können. Mit der Aussage hat sie sich dann letztlich ins Aus katapultiert. Ich finde das sehr schade, denn wäre einfach eine Nachricht gekommen, dass sie aus den und den Gründen aktuell doch nicht zusammenarbeiten möchte, hätte ich das akzeptiert. Da ich das mit dem Modeln aber nur als Hobby betreibe, darf ich auch die Krallen ausfahren, wenn mir ein Verhalten nicht passt. IMG_2418 IMG_2428

Ich model nämlich wirklich sehr gerne und irgendwie passt es ganz gut, dass ich in diesem Beitrag Christians Bilder nutze, da wir eben schon drei Mal miteinander gearbeitet haben. Ich freue mich sehr, wenn jemand so oft Lust hat, meine Visage zu fotografieren. 😀 Gleichzeitig kann ich aber auch recht gut einschätzen, dass ich jetzt nicht das riesen Alleinstellungsmerkmal habe, bei dem sich sämtliche Fotografen die Finger lecken und mein Postfach überquellen lassen. Das ist nicht der Fall, und das ist für mich mehr als in Ordnung. Schließlich möchte ich das mit dem Modeln auch weiterhin gerne „nur“ als Hobby betreiben und deswegen mit Menschen zusammen fotografieren, die eben Lust haben mit mir zu arbeiten. Oftmals begleiten die entstandene Bilder wirklich ernste Texte, und ich möchte mich mit dem Menschen verstehen, der die Bilder zu solchen Texten macht.

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Und nicht nur das: Jemand, der mit einem Hobbymodel zusammenarbeitet muss eben auch sehen, dass ich neben dem Fotoshooten auch noch andere Dinge im Leben laufen habe. Viele andere Dinge. Ich will mit Fotografen zusammen arbeiten, denen ich ehrlich sagen kann, wenn ich Stress habe und Termine verschieben muss. Eben welche, die menschlich denken und handeln. Da ich die Fotos für diesen Blog hier mache, und dieser Blog hier eben mein Leben wiederspiegelt, finde ich sehr wichtig, dass ich mich mit Fotografen so gut verstehe, dass ich ihnen sagen kann „aus den und den Gründen klappt es bei mir nächsten Monat nicht“ – ich möchte menschlich auf einer Wellenlänge sein. Möchte niemals mit jemandem shooten, nur weil er „fame“ ist, nur weil er „mir Reichweite verschaffen könnte“ – da wäre ich mir selbst nicht treu. Der Bildstil einer Person muss zu den Inhalten meiner Texte passen. Nur hat mir nun das jüngste Erlebnis gezeigt, dass nur weil der Bildstil von jemandem zu meinem Blog passen könnte, dies nicht automatisch auf die Person hinter der Kamera zutreffen muss.

Es hat ein bisschen gedauert, bis ich mich so selbst und das, was ich eigentlich will so einschätzen konnte. Sowohl einzusehen, wo das eigene „Können“ liegt, als auch Grenzen zu ziehen, das habe ich in den letzten Monaten für mich ausgetüftelt. Und umso mehr freue ich mich darüber, dass ganz liebe Fotografen und Fotografinnen meine Absagen und mein Verschieben mir nicht übel genommen haben, weil es bei uns im Hausbau etwas stressig wurde, und ich freue mich ganz besonders darauf, spätestens wenn wir ins neue Haus eingezogen sind, mit ihnen neue Termine auszumachen. Wenn man nämlich offen und ehrlich zu den Menschen ist, dann begegnen einem die meisten auch mit Verständnis.

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Alle Bilder von demmi photography. Schaut doch mal auf seine Facebook-Seite und für mehr Informationen auf seiner Homepage vorbei. Vielen Dank dir wieder einmal für das Shooting und auch für deine Geduld, weil der Beitrag ein bisschen mehr Zeit in Anspruch genommen hat. 🙂

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2 Gedanken zu “Eine Ode an die Selbsteinschätzung.

  1. Tolle Fotos…. Ich persönlich halte es für eine wichtige Eigenschaft aufrichtig zu sein! Merke ich jemand ist das nicht, dann will ich mit diesem Menschen nicht…. Ich habe den Ärger nun gar nicht ganz bis zu Ende gelesen, aber wäre es nicht hilfreich offen miteinander zu reden- so in echt und gegenüber… Es gehört Mut dazu – ich weiß 😉 ! Alles Gute!

    • Danke für deine lieben Worte dazu. 🙂 Da es hier um eine Fotografin ging, die ein Treffen nun gar nicht mehr wollte, könnte ein persönliches Gespräch schwierig werden. Dazu wohnt sie nicht um die Ecke. Für ein Shooting wäre ich so weit gefahren. Für ein Gespräch eher nicht. An sich stimme ich dir aber zu, dass man immer persönlich sprechen sollte, wenn dies möglich ist. 🙂

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