Die Wahrsagerin.

Vor einigen Monaten war ich bei der unheimlich lieben und kreativen Kathrin alias Black Lens im Studio. Im Vorfeld hatten wir eine Idee, nämlich ein Foto zu machen, was eine Verwandlung andeutet. Daraus entstanden ist eine großartige Serie mit dem Titel „Die Wahrsagerin“. Warum? Das könnt ihr hier nachschauen und nachlesen:

Es war dunkel im Wald. Sie saß in einer Lichtung, die Bäume zogen lange Schatten und die einzige Lichtquelle war der Mond. Er strahlte sie an. Durch die Baumkronen, vorbei an den Blättern und Nadeln der Bäume. Die Nacht war schwarz, genauso wie die Natur um sie herum.

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Es gibt Momente im Leben, da ist nicht alles schön, nicht alles bunt. Auch wenn es einem eigentlich gut gehen sollte, so sind da manchmal kleine schwarze Wolken, die bedrohlich über unseren Köpfen hängen.

Einen Menschen zu verlieren ist niemals schön. Einen Menschen zu verlieren, den du dein ganzes Leben kennst, ist grausam. Es nützt meist herzlich wenig, sich zu sagen „Hey, wo sie jetzt ist, geht es ihr besser.“ oder „Sie ist doch so alt geworden.“ Solche Gedanken lassen den Schmerz über den Verlust erträglicher machen, doch sie können ihn nicht betäuben. Nichts kann diesen Schmerz betäuben, und eigentlich ist das auch ganz gut so.

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Denn würden wir den Schmerz nicht spüren und nicht zulassen, dann könnten wir den Verlust nicht verarbeiten. Natürlich ist jeder Mensch anders, es gibt keine Patentlösung für alle. Doch mir hilft es den Schmerz aufzusaugen, mit jeder Pore zu spüren und jede Zelle im Körper zu aktivieren. Nicht dauerhaft, aber schubweise.

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Irgendwann in diesem Prozess verwandeln wir all den Schmerz, die negativen Gefühle, in etwas Positives. Dankbarkeit. Dankbarkeit darüber, die Person gekannt zu haben. Dankbarkeit, miteinander Zeit verbracht zu haben. Dankbarkeit, dass sie immer da sein wird, auch wenn sie physisch nicht mehr anwesend ist. Meine Großeltern waren mit die wichtigsten Personen in meinem Leben (ich habe bereits hier davon und von Omas letzten Tagen erzählt: XXX) und beide nicht mehr in meinem Leben zu haben – gerade jetzt, wo mein Leben doch erst so richtig anfängt – tut weh.

Fast 50 Tage sind seit Omas Tod vergangen. Am Anfang dachte ich, ich könnte das niemals verarbeiten. Als mein Opa starb, war ich nicht in der Stadt. Ich habe ihn so in Erinnerung, wie ich ihn zuletzt sah: In seinem Wintergarten sitzend, eine Zigarette rauchend, uns einen schönen Urlaub wünschend. Denke ich an meine Oma, dann habe ich natürlich auch schöne Gedanken im Kopf, doch der „dunkle Wolken“ – Gedanke dominiert. Oma, wie sie in ihrem Bett liegt. Nicht mehr ansprechbar. Schwer atmend. Ich denke daran, wie ich meinem Papa sagte, er soll sich die Ohren zuhalten, weil ich ihr erzählen will, wie mein Brautkleid aussieht. Das Wissen, dass sie nicht an unserer Hochzeit teilnehmen wird, dass sie dort nicht mehr leben wird, hat mir alles zugeschnürt. Vielleicht kann ich nie wieder ein Altenheim betreten. Ich weiß noch, wie alles riecht, kann mich an die Geräusche erinnern. Ich weiß genau welches Lied ich im Kopf hatte, als ich ihre Hand hielt.

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In meinem Kopf spielte „Remorser“ von Landscapes in Dauerschleife. Ein Lied, das von Verlust handelt, und welches einige Tage vorher veröffentlicht wurde. Es ist definitiv ein unheimliches Gefühl, wenn die Lieblingsband zum passenden Zeitpunkt ein passendes Lied veröffentlicht. Das Lied wurde zu meinem Anker, meiner hellleuchtenden Wahrsagekugel, die mir den Weg leuchtete und mir zeigte: Du schaffst das.

Ich wusste, dass ich den Tod meiner Oma, noch nicht ganz verarbeitet habe, als wir am Freitag in Dessau bei einer Show von Landscapes waren. Als Shaun die ersten Zeilen des Liedes sang, schnürte sich erneut mein Hals zu. Ich sah meine Oma in meinem inneren Auge, wie sie im Bett lag, sterbend. Ich habe keine Träne vergossen, einfach weil ich mir dachte „Nein, du weinst jetzt nicht auf einem Konzert.“ Doch Shaun weinte beim Singen. Und glaubt mir: so etwas macht es einfach nicht besser. Ich habe einfach jede Sekunde von dem Lied genossen. Wie durch einen Schleier der Stimme zugehört, die während meines Abschieds in meinem Kopf war und nun keinen Meter vor mir stand.  Es geht vorwärts. Das geht es immer. Ich kann nicht in die Zukunft sehen, doch ich spüre meine innere Wandlung – spüre, wie ich stärker werde, ohne aktiv etwas dafür zu tun. Erlaubt euch zu weinen, zu trauern – glaubt mir: am Ende geht ihr gestärkt daraus hervor.

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Einen ganz großen Dank an die wundervolle Fotografin für das tolle Shooting und die schönen Ergebnisse. Ich hoffe, wir shooten bald mal wieder. 🙂 Schaut doch mal bei ihr vorbei: Bei Facebook & auf ihrer Homepage.  ❤

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