Es ist Donnerstag, die Sonne scheint, es ist Zeit für meinen wöchentlichen Satire-Beitrag. Einen Tag zu früh, doch ich finde, es kann gar nicht früh genug gesagt werden, was in meinem Kopf rumschwirrt. So hundertprozentig Satire ist es nicht, besonders gegen Ende nicht mehr. Darum kommt der Beitrag in beide Kategorien: Satire (nämlich der Beginn) und Weltgeschehen. Ich schwimme diesmal mit dem Strom, denn ich finde, die derzeitige Flüchtlings-Debatte kann gar nicht genug „Pro Asyl“ – Beiträge im Netz bekommen. Hoffentlich regt er zum Nachdenken an.

#refugeeswelcome #bloggerfuerfluechtlinge #mundaufmachen

„Ich wache auf, die Sonne scheint. Doch ich ärgere mich darüber. Warum muss es denn schon wieder so heiß werden? Ich hatte doch gehofft, dass es sich endlich abkühlt. Natürlich sollte es nicht regnen. Regen wäre auch doof. Eigentlich weiß ich gar nicht, was für ein Wetter ich gerne hätte. Ich will meckern! Mein Toaster hat mein Toastbrot verbrannt, der Kaffee ist zu stark und die Milch ist leer. Nutella haben wir auch keines mehr im Haus. Der Tag beginnt schon scheiße, also kann man ihn auch direkt in die Tonne kloppen. Nichts mehr zu retten. Mein Leben ist furchtbar. Nachdem ich die Toastreste mit Marmelade gerettet habe und in Mäusebissen davon abbeiße, blätter ich durch meine liebsten Promi-Klatsch-Zeitschriften. Mir geht es ziemlich schlecht. All diese Frauen sind viel schöner, viel glücklicher, viel reicher als ich. Ich wäre gerne reich. Dann hätte ich bestimmt auch Nutella zum Frühstück. Gleich fahre ich los, zu meinem Job, der mir keinen Spaß macht und auch nicht mal viel Geld bringt. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die tatsächlich alles dafür tun würden, um Geld zu verdienen. Wenn es auch nur ein bisschen ist. Oder das es Menschen gibt, die alles dafür tun, um zu überleben. Im Radio läuft ein Bericht über die derzeitige Flüchtlingssituation. Davon habe ich viel gelesen. Bei Facebook. Jeder hat eine andere Meinung dazu und mich interessiert das so gar nicht. Ich habe doch meine eigenen Probleme. Was muss ich nachher gleich nochmal einkaufen? Oh und bald ist mein Geburtstag, was wünsche ich mir nur? Die Vorstellung, dass manche Menschen auf dieser Welt ihren nächsten Geburtstag nicht erleben, verursacht mir ein unbehagliches Gefühl. Was ist das? Mitgefühl? Empathie? Ein seltsames Gefühl, von dem mir mein ungeliebter Marmeladentoast im Hals stecken bleibt. Es erscheinen Bilder in meinem Kopf, die ich im Internet und im Fernsehen sah. Menschen, die alles zurückließen, um zu fliehen. Menschen, die das Risiko eingingen zu sterben, nur um die winzig kleine Hoffnung nicht erlöschen zu lassen, wo anders könnte das Leben schöner sein. Menschen, die gestorben sind. Tote Menschen. Tote Kinder. Eigentlich will ich doch gar nicht darüber nachdenken, denn diese Gedanken stören mein egozentrisches Leben. Sie stören dabei, mich selbst als die arme Wurst zu sehen, die ich doch bin. Mit meinem scheiß Job, und dem fehlenden Nutella. Ich bin nicht reich, bin kein Promi. Ich will mich dafür bemitleiden, doch in dem Moment, wo das Mitgefühl über das Schicksal Fremder meinen Körper überrennt, habe ich keinen Platz mehr für mich. Will ich das? Will ich, dass mein Mitgefühl so groß wird, dass ich damit anfange meinen Kleiderschrank auszumisten. All diese schönen Dinge, die ich nie getragen habe, die man sicherlich noch gut verkaufen könnte, einfach verschenken?“

Von wie vielen Menschen ist das Mitgefühl zu klein, um dies zu tun? Wie viele Menschen in diesem Land, haben genau diese oben beschriebenen Gedanken? Ein hin und her gerissen sein zwischen purem Egoismus und Mitgefühl. Wir leben im Überfluss. Das sollten wir uns endlich eingestehen. Wir leben im Luxus! Nur weil über uns nicht in Klatschblättern berichtet wird und wir keinen Porsche vor der Tür stehen haben, bedeutet dies noch lange nicht, dass wir arm sind. Wir sind reich. Wir haben fließendes Wasser, täglich Essen, die Wahl jeden Tag etwas anderes anzuziehen – wochenlang. Wir können uns über Filme amüsieren, die Musik hören, die wir hören wollen und lieben, wen wir lieben wollen. Wir dürfen denken, fühlen, sagen, wonach uns gerade ist. Fast alle Grenzen, die uns umgeben, ziehen wir uns selbst. Es ist uns freigestellt, nach gesellschaftlichen Normen zu leben oder aus diesen auszubrechen. Wir können verreisen, können die Welt sehen. Wir haben eine Wohnung oder sogar ein Haus. Wir haben viel zu viel Platz für unsere viel zu vielen Besitztümer. Wir denken, wir brauchen immer noch mehr, dabei haben wir schon alles. Werden über alles informiert. Die schönen und die nicht so schönen Themen der Welt. Können uns eine Meinung bilden, können Bildung genießen. Wir können lesen! Wie viele Menschen würden alles dafür geben, um nur ein Hundertstel von dem zu haben, was wir besitzen. Aber wir sitzen hier auf unserem Thron an Reichtum und wenn das Einzige, das nicht gekauft werden kann- unser HERZ – gefordert ist, dann werden wir eiskalt. Ich bin nicht eiskalt und ich bin sehr froh viele Menschen zu kennen, die ebenfalls ein großes Herz und ganz viel Empathie in sich tragen und die helfen wollen. Doch man wird jeden Tag mit viel zu viel Hass konfrontiert. Mit Menschen, die versuchen fremden Personen Schuld für ihr eigenes Schicksal zu geben. Menschen, die Lebensräume anzünden. Menschen, die so viel Hass in sich tragen und nicht müde werden, diesen auf Demonstrationen oder anonym im Internet zu verbreiten. Menschen, die es eigentlich nicht verdient haben „Mensch“ genannt zu werden, da sie kein Stück Menschlichkeit in sich haben. Menschen ohne Herz und Verstand.

Seid reich! Seid reich an Mitgefühl, an Hilfsbereitschaft und an Menschlichkeit! Jeder kann helfen, dafür muss man nicht viel besitzen, außer ein Herz. Zeigt denen, die alles verloren haben, dass sie hier willkommen sind. Lasst es nicht zu, dass Deutschland seine Geschichte wiederholt. Spread the word! Refugees welcome!

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