Lost Place.

So wie ich mich zur Zeit im Studium fühle, genau so war auch die Grundstimmung im Lost Place, in dem André und ich vor ein paar Wochen waren: kaputt. Das klingt zu simpel? Ich möchte heute darüber sprechen, wieso sich Lebenssituationen, wie das Studium, gut mit alten Gebäuden vergleichen lassen und euch dabei die wunderschönen Bilder zeigen, die bei einem Shooting mit meinem talentierten Verlobten entstanden sind.

Checkt unbedingt mal seine Facebookseite aus, besonders die aktuellsten Bilder von der hübschen Nora haben es mir total angetan. Facebook: A+ Photography 🙂

Nun aber zurück zum Lost Place. Wie es so üblich ist, werde ich hier nun auf das detaillierte „Wo findet man diesen Platz“ verzichten. Es ist egal, wo genau wir waren. Wichtig ist, wir waren da und haben einige Erfahrungen und Momente gesammelt. Ich habe echt einiges der Gefühlspalette durchlebt. Faszination. Sich bedrückt fühlen. Angst. Neugierde. Erstaunen. Interessanterweise alles Gefühle, die ich durchaus auch beim täglichen Studieren durchlebe. Vielleicht in anderer Stärke jeweils, aber sie sind da. Ich muss nächsten Montag meine Hausarbeit abgeben, das sind noch 6 Tage. Minus die Korrekturzeit habe ich noch heute, morgen und Donnerstag konkret zum Schreiben. Drei Tage. Und ich sitze hier an einem Blogbeitrag. Ganz schön dumm, oder? Aber ich habe eine Pause gebraucht, Abstand vom Thema – aber trotzdem wollte ich schreiben. Ich liebe genau diese Momente, wo ich riesengroße Lust zum Schreiben verspüre. Seit dem Studium sind sie immer seltener geworden, also werden sie genutzt, wie sie eben kommen. Also genau jetzt. Ich werde genau das schreiben, was mir beim erneuten Anschauen der Bilder durch den Kopf geht und ich hoffe ihr findet euch vielleicht zum Teil selbst darin wieder. (Bzw. eigentlich hoffe ich das nicht, lest selbst warum.)

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Wenn das Licht auf kaputte Tapeten fällt, in einen langen Gang, von dem tausende Türen zu tausend weiteren Geschichte führen. Geborgenheit gepaart mit ängstlicher Neugierde. Das, was alte Gebäude eben so an sich haben. Wenn man sich anziehen möchte, weil man friert, aber doch irgendwie mit Haut und Haar die Umgebung aufnehmen möchte. Diese Macht der Natur und des zeitlichen Verfalls. Ich bin so fasziniert. In jedem Raum aufs Neue. Noch Tage danach habe ich Kopfschmerzen. Zuviel Input. Was stellt die Zeit nur mit der Welt an?

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Neugierde – der Hauptgrund, weshalb ich überhaupt Literaturwissenschaft und Philosophie studiere. Ich bin ein sehr neugieriger Mensch. Mich interessiert wieso etwas wie ist, wie es dazu kam, wohin es führen könnte. Ich liebe es Bücher zu analysieren. Sie fünfzigmal zu lesen und jedes Mal etwas anderes und neues zu entdecken. Ich mag es sogar die wirren Gedankengänge von Philosophen zu entknoten. Immer wenn ich es geschafft habe ist die Freude groß. Doch so schnell wie die Freude kommt, so schnell vergeht sie mir auch, wenn ich etwas nicht verstehe. Wenn ich hier sitze und mir seit mehreren Wochen größte Mühe gebe, einen bestimmten Philosophen zu verstehen. Nicht weil ich es unbedingt möchte. Sondern weil ich muss. Weil meine Hausarbeit eben diesen Philosophen und seine viel zu kompliziert dargestellte Theorie behandeln soll. Die Angst zu Versagen macht sich breit, sie ist so gigantisch groß, dass ich stundenlang hier sitze und mir immer wieder sage, ich schaffe das nicht, ich falle durch. Nochmal. In genau diesem Modul bin ich nämlich bereits einmal durchgerasselt. Der Druck ist so unendlich groß. Dabei macht mir niemand Druck, außer ich mir selber. Ich möchte gerne fertig studiert haben, bevor sich Spuren der Zeit auf meinem Studium niederlassen, so wie eben in diesem Gebäude. Dort wurde mir bewusst, wie existent die Zeit eigentlich ist. Sie rast dahin. Über die Hälfte des Jahres ist bereits vergangen und mir kommt es wie gestern vor, wo wir hier auf das neue Jahr angestoßen haben mit Wein aus Italien aus dem Jahr zuvor. Wo bleibt die Zeit? Wenn sie rückblickend betrachtet so schnell rasen konnte, dann wird sie es auch zukünftig tun. Sie wird mir davon rennen. Ich laufe mit meiner Hausarbeit und dem Rücken voller dicker philosophischer Bücher, die ich nicht verstehe, hinterher. Mir geht die Puste aus und irgendwann habe ich keine Lust mehr. Genau davor habe ich Angst, und genau deshalb will ich das Studium so schnell wie möglich hinter mich bringen. Damit mir nicht die Puste ausgeht. Damit die Lust bleibt und ich am Ende sagen kann: Ohja, ich habe nun den Bachelor in Kulturwissenschaften, das ist toll! Und nicht sagen muss: Endlich habe ich den Bachelor, wurde ja auch Zeit. Das will ich nicht.

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Ein alter Kinosaal – wie viele Filme wurden hier wohl geschaut? Und welche? Was haben die Menschen dabei gefühlt – schließlich waren sie eigentlich nicht zum Urlaub hier, sondern um gesund zu werden. Zwei Sessel lassen vermuten, wie hier der ganze Raum gestaltet war. Die Pflanzen, die aus dem Boden wachsen wirken so fehl am Platz, wie auch ich. Die Decke macht keinen sicheren Eindruck, ich kann mir nicht vorstellen, dass es hier einmal anders aussah. Heile. Dass in diesem Gebäude einmal Leben war und es nicht durch die Fenster zog und man Angst haben musste, sich an einem Nagel im Boden die Schuhe kaputt zu machen. Ich frage mich, welcher Film hier zuletzt lief, bis die Leinwand für immer leer blieb und schließlich aus dem Raum verschwand, so wie 90 % des restlichen Inventars, inklusive des Bodens. Und warum bleibt die Faszination? Sie war in diesem Raum mit am Größten, das könnte daran gelegen haben, dass man hier am deutlichsten sah, was früher einmal drin war.

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Ich habe es seit dem letzten Semester immer öfter, dass ich keine Lust mehr habe zu lesen. Ich spreche es jetzt hier aus und es fällt mir schwer. Doch genau so ist es. Das Studium hat mir die Lust zu lesen geraubt. Früher habe ich immer viel gelesen. Ich brauchte abends mein Buch, sonst konnte ich nicht einschlafen. Heute brauche ich eine Serie auf den Tablet, ansonsten liege ich Stunden wach. Ein Buch in die Hand zu nehmen, dass nichts mit dem Studium zutun hat, kostet mich Überwindung. Wenn man den ganzen Tag liest und liest und liest, dann vergeht einem die Lust am Lesen. Zum Heulen ist das. Im Urlaub lese ich immer so viel. Tonnen von Büchern werden verschlungen. Ich möchte, dass es wieder genauso wird. Aber ich habe das ungute Gefühl, dass ich dafür erstmal mein Studium abschließen muss. Dann will ich endlich meine „to read“ – Liste durcharbeiten. Nichts wird mich aufhalten. Natürlich liebe ich es Serien zu schauen, ich bin der total Serienjunkie. Momentan bilden sie den Ausgleich zu all den Büchern im Studium, ich hoffe aber dass sie zukünftig wieder einen kleineren Stellenwert bekommen werden. Nicht, dass ich nicht gerne innerhalb von wenigen Wochen 5 Staffeln einer Serien durchgucke. Doch ein bisschen Abwechslung darf es dann auch gerne sein. Vermutlich mache ich mir auch darum so viel Druck, ich will meine freie Freizeitgestaltung wieder.  Die wird einem mit dem Fernstudium komplett genommen. Natürlich genieße ich das „süße Studentenleben“, ich genieße die freie Zeiteinteilung und die Flexibilität. Doch damit fällt eben die Arbeit in meine Freizeit. Alles vermischt sich und die Gefahr besteht, dass man mit dem Kopf nie ganz vom Studium abschalten kann. Nur ich und ein Buch, das ich gerne lese, weil ich will, nicht weil ich muss:

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Wir hatten einen schönen, wenn auch anstrengenden Tag und ich finde die Bilder, die entstanden sind so toll. Großes Dank an meinen wundervollen Bald-Mann. Jetzt werde ich mich aber wieder an meine Hausarbeit setzen, denn die schreibt sich leider nicht von alleine. 😦 Ich hab noch ein paar schöne Fotos von einem Shooting mit einem Braunschweiger Fotografen, die ich euch zeigen möchte und am vergangenen Sonntag war ich mit meiner besten Freundin in Hannover bei einer super lieben Fotografin und wir haben einen ganz tollen Nachmittag verbracht – was dabei entstanden ist werde ich euch natürlich auch nicht vorenthalten. Ich hoffe ihr freut euch genauso sehr wie ich darauf – Beiträge dazu folgen in den nächsten Tagen bzw. spätestens nach Abgabe der Hausarbeit. ❤

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