T*tten raus, es ist Sommer!

Natürlich müsst ihr meine Überschrift nicht wortwörtlich oder allzu ernst nehmen. Ich habe mir aber in den vergangenen Tagen, in denen das Thermometer zielsicher über 30 Grad anzeigt, viele Gedanken darüber gemacht, wieso einige Menschen sich im 21. Jahrhundert immer noch herausnehmen über andere zu urteilen. Was das mit nackter Haut zutun hat und wieso ich davon genervt bin? Lest selbst…

Slutshaming und Bodyshaming ist den Meisten sicherlich eh schon ein Begriff. Ersteres bezeichnet den Angriff auf Frauen auf Grund ihrer Sexualität, ihres Verhaltens oder ihrer Kleidung. Zweiteres meint die Verurteilung von Körpern – egal ob zu „dünn“, „dick“ oder „normal“. Ich bekomme beinahe Gänsehaut, wann immer ich diese Begriffe und dazugehörige Diskussionen lese. Es erschließt sich mir einfach nicht, wieso man andere Personen (und meistens sind es Frauen, die andere Frauen verurteilen/angreifen) auf Grund von bestimmten Merkmalen herabstufen oder niedermachen muss. Ich habe es in der Grundschule schon nicht verstanden, doch Kinder sind nun mal grausam. Jugendliche sind es auch. Doch selbst bei Erwachsenen sind diese Phänomene immer und immer wieder anzutreffen. Natürlich gibt es Slut- und Bodyshaming in allen Jahreszeiten – nie zeigt es sich aber so dermaßen präsent, wie im Sommer. Es wird wärmer und das Bedürfnis sich zu entkleiden steigt immer mehr. Doch aus Angst vor Verurteilung kleiden wir uns nicht so, wie es dem Wetter entsprechend angemessen wäre. Natürlich kann man nicht nackt rumrennen. Natürlich kann man sich theoretisch auch einfach super luftige Klamotten anziehen. Doch was, wenn man dazu keine Lust hat. Wenn man die Hitze auf so viel Haut wie möglich spüren will (kann ich als Sommerhasser nicht verstehen) oder so viel Luft wie möglich an sich lassen will (das verstehe ich schon eher) oder wenn man einfach Bock hat auf kurze Hosen und bauchfreie Tops.

Genau dann – wenn man Bock drauf hat, sich so zu kleiden wie man will – ist der Moment gekommen, in dem man auf all die bösen Zungen da draußen scheißen sollte. Ihr seid doch alle Individuen. Starke Menschen, die ihre Meinung haben. Dann setzt sie auch durch. Euer Körper, eure Entscheidungen. So einfach ist das. Wir dürfen uns nicht fertig machen lassen. Von Blicken, von Meinungen, von Vorurteilen und vor allem nicht von Sprüchen. Warum macht man das eigene Wohlbefinden immer von fremden Menschen abhängig und wieso denkt man, für bestimmte Kleidungsstücke bedarf es einer bestimmten Figur. Es ist der tägliche Kampf, den die meisten Frauen mit sich führen – die anderen sind immer perfekter, und diese perfekten Menschen haben auch ihre Zweifel und finden wiederum andere Menschen perfekt. Ein Teufelskreis. Und irgendjemand findet dich perfekt. All das, was man selbst an sich hasst, hätte jemand anders gerne. Immer. Warum also brechen wir nicht einfach alle aus dem Teufelskreis aus und beginnen uns so zu akzeptieren und vielleicht sogar zu mögen, wie wir sind? Es klingt so einfach in der Theorie und in der Praxis sind es tausend Schritte zum Ziel. Doch vielleicht ist die freie Wahl dich so zu kleiden, wie du Bock hast, ein erster Schritt. Auch ein Schritt gegen die ewigen Vorurteile, nur weil jemand einen kurzen Rock oder ähnliches trägt, wäre diejenige ein Flittchen. Wer hat sich so einen Scheiß ausgedacht?

Lass dir nicht einreden, du dürftest keine Hotpants tragen oder kurze Tops. Dass es so etwas wie eine „Bikinifigur“ gibt oder ein „zu dick“ oder „zu dünn“. Deine Figur ist genau dann richtig, wenn du dich in ihr wohlfühlst. Und zwar ganz alleine – ohne die Meinung von außenstehenden Menschen, die nicht in deinem Körper leben und durch Kritik von ihren eigenen Problemen ablenken. Denn mal ernsthaft, was haben diese Menschen davon jemandem zu sagen, er dürfe aufgrund der Pfunde zu viel (und wer entscheidet, wann „zu viel“ beginnt?!) keine kurzen Hosen tragen? Und wie oft habe ich schon gehört, ich sollte meine (Zitat) „Storchenbeine“ lieber verstecken. Nö, einfach nur nö. Warum sollte ich mich verstecken, nur weil es Menschen da draußen gibt, die sich von mir und meiner Figur dazu aufgefordert fühlen sie in eine Schublade zu stecken. Magersüchtig. Knochig. Alles schon gehört, es ist nichts Neues mehr. Kaum jemand fragt „Hey, bist du eigentlich mit Absicht zu dünn?“ Kaum jemand will wissen, dass ich das schon immer war und seit der Grundschule gegen Vorurteile kämpfe, dass ich krank sei und dass ich mir Mühe gebe zuzunehmen. Damals in der Grundschule war ich sechs. Ich meine ja bloß. Sechsjährige sollten sich noch nicht mit den Figuren Anderer beschäftigen. Sie sollten mit Puppen spielen. Ich habe also 17 Jahre meines Lebens damit verbracht mich mit Vorurteilen rumzuplagen und wildfremden Menschen zu erklären, dass ich weder krank bin, noch gerne so dünne Beine habe. Aber das bin ich Leid. So viele Jahre hat es gebraucht, aber ich bin es Leid. Ich werde mich nicht in die Schublade quetschen lassen, in die ich nicht gehöre. In die niemand gehört. Ich werde tragen was ich will und wann ich es will. Vielleicht spricht die Hitze aus mir, aber das musste einfach mal gesagt werden.

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