Roadtrip in Island

“The problem with driving around Iceland is that you’re basically confronted by a new soul-enriching, breath-taking, life-affirming natural sight every five goddamn minutes. It’s totally exhausting.”
― Stephen Markley, Tales of Iceland or „Running with the Huldufólk in the Permanent Daylight“

 

Ich warne euch vor: Dieser Beitrag ist wahnsinnig lang. Ich möchte versuchen meine Gedanken, die ich während unseres zehntägigen Roadtrips durch das wunderschöne Island hatte, mit euch zu teilen. Ich will euch meine Bilder zeigen, auf denen ich versucht habe die Atmosphäre einzufangen. Ich möchte euch am Zauber teilhaben lassen, durch den ich mich Hals über Kopf in dieses Land verliebt habe. Da ich ja wirklich nur sehr amateurhaft fotografiere, binde ich euch auch die Fotos ein, die mein Verlobter André gemacht hat. Ich sag immer gerne: Ich mach die Touri-Fotos und er die, die wir uns dann auch an die Wand hängen können. Meine Erinnerungen an diesen Urlaub sind so schön, dass ich sie euch nicht vorenthalten möchte.

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Vorgeschichte: André war letztes Jahr in Island. Ich bekam meinen Hund nicht so schnell untergebracht und so blieb ich hier. Doch die Begeisterung in seiner Stimme, als er von seinen Erlebnissen erzählte und die Fotos, die er machte, machten mich so neugierig auf dieses Land, dass wir dieses Jahr zusammen hinflogen. Ich flog hin, um die Natur mit eigenen Augen bewundern zu können, und ich kehrte mit Fernweh im Herzen zurück nach Hause.

 

17.März, Tag Eins: Der Hinflug und Reykjavik.

Bereits am Abend zuvor kamen wir in Berlin an und verbrachten die Nacht in einem Hotel in der Nähe des Flughafens. Ich weiß noch genau wie aufgeregt ich war, wie sehr ich Angst hatte. Meine Flugangst ist unfassbar groß. Besonders die Vorstellung über einen längeren Zeitraum „eingesperrt“ zu sein und nur darauf warten zu können, dass man endlich ankommt, verursachte bei mir Magenkrämpfe. Als jemand, der in den letzten Jahren so viel mit Angst konfrontiert wurde, weiß ich aber, dass man diese nur los wird, in dem man sich den Dingen wovor man sich fürchtet stellt. Ich habe mich so vielen Dingen gestellt, von denen ich dachte, dass sie mir mein restliches Leben versauen würden. Der Gedanke von Platzangst im Flugzeug konnte meinen Kopf nicht zum Platzen bringen. Ich war bereit. Pünktlich um 10:30 Uhr morgens standen wir fertig angezogen mit Koffer und Handgepäck vor unserem Hotel und warteten auf den Shuttlebus, der uns zum Flughafen bringen sollte. Mit nur einem weiteren Reisenden ging es dann los zum Flughafen Schöneberg. Obwohl wir recht pünktlich dran waren, war der Check-In-Schalter der WOWair-Airline schon komplett überfüllt. Wegen eines Band-Staus standen wir dort eine gefühlte Ewigkeit an. Die Tatsache, dass sich bald genauso viele Menschen hinter uns sammelten, wie sie bereits vor uns warteten war zwar auch beruhigend, doch meine Angst stieg und stieg dadurch nur. Die traurige Nachricht war, dass wir keinen Fensterplatz mehr bekamen (nicht, dass wir beim Start oder der Landung hätten rausgucken können, ohne kotzen zu müssen! :D) doch zum Glück bekamen wir immerhin noch zwei Plätze nebeneinander. Ich hätte sonst allerdings auch solange im Flugzeug genervt, bis jemand freiwillig seinen Platz aufgegeben hätte. Trotz der riesengroßen Angst, die ich vorher hatte, war der Flug wirklich ziemlich angenehm. Ich hatte keine Panikattacken und verglichen mit der Tortur beim Check-In war das halbwegs entspannte Sitzen nun ein Kinderspiel. Sicher gelandet schnappten wir uns unsere Koffer, holten unseren Mietwagen ab (einen recht neuen VW Polo) und düsten los nach Reykjavik. Der Flughafen Islands ist nämlich nicht, wie oft gedacht, in der Hauptstadt, sondern im etwa 50 km entfernten Keflavik. Auf der Fahrt konnte ich bereits erahnen, welche Dimensionen die Berge in der Landschaft hier einnahmen und kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Es gibt so viele Berge, die alleine stehen, ohne Gebirgsketten oder ähnliches, wie bei uns. Stellenweise lag noch Schnee, doch insgesamt war die Landschaft eher trist, aber trotzdem beeindruckend. Verglichen mit dem, was ich die kommenden Tage noch sehen würde, war das wirklich lächerlich, aber das wusste ich ja noch nicht. Die erste Nacht verbrachten wir im Gasthaus „Helga“, dessen Besitzer mir erstmal sehr freundlich vorkam. Wir kamen noch zwei Mal in dieses Gasthaus, hauptsächlich, weil wir keine 3 verschiedenen ausprobieren wollten. Ganz so viel Abenteuergeist steckt dann auch nicht in uns. Unser Zimmer dort in der ersten Nacht lag im ersten Stock und wir hatten einen grandiosen Ausblick auf die Stadt. Eigentlich wollten wir früh ins Bett, denn für den zweiten Tag stand eine lange Fahrt nach oben in den Norden an, doch in der Gasthausküche, erzählte uns eine sehr nette Frau, dass die Wahrscheinlichkeit auf Polarlichter für diese Nacht sehr sehr gut lag (Bei 100%, und das ist für März fast wie ein 6er im Lotto) und wir unbedingt noch raus müssen. Auch wenn ich mich schon mit dem Gedanken abgefunden hatte eventuell gar keine Nordlichter zu sehen, war es natürlich einer meiner tiefsten Wünsche es trotzdem zu erleben. Erstmal pessimistisch sein, dann kann man sich noch mehr freuen. Bereits auf dem Weg zum Auto sahen wir ein grünes Licht, das quer über den Himmel schien. Ein paar andere Bewohner des Gasthauses kreischten vor Begeisterung. In mir drin schrie auch alles. Das war so überragend. So etwas krasses, hatte ich noch nie davor gesehen. Wirklich nicht. Mein Handy und meine Kamera weigerten sich das Licht aufzunehmen, doch mein Freund hat ein Handyfoto gemacht, was natürlich auch gleich kommt. Wir fuhren aus der Stadt raus, denn wir hatten gelesen, dort wo keine Fremdlichter sind, sieht man die Nordlichter am Stärksten. Und siehe da, auf eine Parkplatz weit weg von der Stadt sammelte sich eine große Gruppe an Fotografen, alle nur eins im Sinn: Dieses Naturspektakel zu fotografieren. Ich versuchte es gar nicht erst, ließ André knipsen und genosse es in den Himmel zu schauen. So viele Sterne, so schöne Lichter. Das konnte nicht real sein. Auf dem Boden glitzerte der Schnee, ich denke so etwas Schönes habe ich wirklich noch nie gesehen. Ich bin total der Naturjunkie, wenn es darum geht kleine Bäche oder alte Äste als ästhetisch zu betrachten, doch gegen Nordlichter stinkt einfach alles andere ab. Mit einem Mal war alles so mystisch, so friedlich. Einzig störend war die Kälte und zurück im Auto war auch klar wieso: -11°C. Wir fuhren glücklich und zufrieden zurück ins Gasthaus. Einen perfekteren Start in den Urlaub hätte es wohl kaum geben können. Island hatte mich. Innerhalb von nur wenigen Stunden hatte ich mich Hals über Kopf in dieses wunderschöne Land verliebt, unwissend, was ich noch erwarten würde.

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Links: Der Blick in die klare Nacht über Reykjavik. Mitte: Die Preview der Kamera meines Freundes von den Nordlichtern außerhalb. Rechts: Grünes Nordlicht über unserem Gasthaus.

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Der Beweis! 😀

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Unser Ausblick.

18. März, Tag Zwei: Auf der Ringstraße nach Akureyri.

Frisch ausgeschlafen (für mich als Frauchen eines Frühaufsteherhundes, ist alles ab halb 8 ausschlafen. :D) schmierten wir uns Brote, packten unsere sieben Sachen und starteten nach Norden. Die reine Fahrtzeit von Reykjavik bis Akureyri beträgt eigentlich 5 Stunden, doch wir haben letztlich fast 9 Stunden gebraucht. Es gab unterwegs einfach so viel zu bestaunen, sodass wir ständig angehalten haben. Ein ganz großer Vorteil übrigens, wenn man auf eigene Faust mit Mietwagen durch Island reist und nicht mit einem Reisebus. Wie bereits angedeutet, war ich ziemlich naiv zu denken, die Natur vom Flughafen in die Hauptstadt sei bereits beeindruckend. Am meisten beeindruckt hat mich eigentlich, wie schnell sich die Landschaft um einen herum verändert. Du fährst keine 10 Minuten und siehst schon wieder neue Berge vor dir, die du vorher nichtmal erahnt hast. Oder die Straße hat ein wenig Steigung, was zur Folge hat, dass plötzlich alles um dich rum zugeschneit ist. Man fragt sich regelmäßig, ob das denn alles noch real ist, denn die Landschaft sieht wie gemalt aus, besonders die Gebirgszüge.

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Ein paar Impressionen, die ich während unserer Stopps oder aus dem Autofenster heraus gesammelt habe. 

Collage 3bFossárrétt: Links sieht man aufgeschichtete Steine. Sie dienten früher dazu die Schafe einzufangen und zu sortieren. Davon sieht man in Island eine ganze Menge (natürlich auch in modern mit Zäunen) und wir haben sie nur noch als „Schafsortierer“ bezeichnet. Dieser kleine Wasserfall „Fossárrétt“ war der erste richtige, den ich in Island gesehen habe.

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Lieblingsbeschäftigung, während André Fotos von der Landschaft machte: In die Ferne gucken. Erwischt!

In meinen Reisetagebuch fasste ich zusammen: „Wir haben mehrere Wasserfälle gesehen, heftige Schluchten, einen Berg, der bestimmt mal ein Vulkan war & viele Tiere: Ein paar Vögel, unzählige Pferde, viele Schafe und eine Steinformation, die wir erst für einen Wal hielten.“

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Die Straßen sind endlos lang, zeitweise denkst du, die Zivilisation ist nun hier zu Ende. Keine Menschenseele kommt dir entgegen. Dieses Gefühl ist einerseits so befreiend, so schön. Vor allem, wenn man kein großer Menschenfreund ist. Nur wir zwei, das Auto und Island. Und das Gefühl, dass in diesem Land die Zeit stehen bleibt.

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„Spring is coming!“ – Die ersten Knospen waren bereits an den Sträuchern zu finden, und das obwohl noch viel Schnee lag.

Somewhere between Reykjavik & Akureyri
(Anklicken, um zur höheren Auflösung zu kommen): Von André.

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Pferde! Islandpferde sind wahnsinnig beeindruckende Tiere. Sie haben so dichtes Fell und stehen starr, egal wie windig es ist. Sie scheinen nie zu frieren, sich nie über die Wetterverhältnisse zu ärgern. Ich denke sie leben ihr Leben in Freiheit. Ich würde es tatsächlich irgendwie als Freiheit definieren, auch wenn provisorische Zäune sie davon abhalten sollen auf die Straße zu rennen. Aber im Ernst. Die Zäune sind so niedrig, da könnten sie locker drüberspringen. Doch warum sollten sie? Der Platz weg von der Straße, weg vom Menschen und rein in die Natur ist viel größer.

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Die Fahrt war zwar echt anstrengend (so lange sitzen!), aber auch total spannend. Obwohl an diesem Tag noch keine einzige offizielle Sehenswürdigkeit zu sehen war, waren die Eindrücke so heftig, dass ich ziemlich sicher war in den kommenden Tagen irgendwann völlig überfordert zu sein. Gegen frühen Abend kamen wir endlich im Gasthaus etwa 5 km nördlich der großen Stadt Akureyri an. Der Besitzer lebt dort mit seiner Frau und seinen Kindern und ist sehr sehr freundlich zu uns gewesen. Wir bezogen ein kleines Cottage direkt neben dem hellblauen Haupthaus. Von unserem Bett aus konnten wir auf das Wasser und die dahinterliegenden Gebirge sehen. Ich liebe das Meer und fühlte mich direkt wohl.

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 19. März, Tag Drei: „Myvatn“ – dem Erdinneren ganz nahe.

Ich habe im Urlaub an jedem Abend versucht noch ein bisschen mein Reisetagebuch zu füllen. Einfach weil ich es wichtig finde, die Erlebnisse festzuhalten und meine Gedanken aufzuschreiben. Doch nach diesem Tag war ich so dermaßen erledigt, dass ich nur noch Stichworte zusammenbekommen habe. Doch in meinem Kopf ist noch alles da. Wir fuhren morgens los nach Myvatn. (zu Deutsch: Mückensee. Glücklicherweise trägt er diesen Namen im Winter zu Unrecht.) Myvatn selbst ist ein 37km² großer See vulkanischen Ursprungs, und das Gebiet dort wird „Myvatn-Gebiet“ genannt. Hier findet sich eine große Vielfalt an vulkanischer Bildung wieder, da die Grenze zwischen der Eurasischen und der Amerikanischen Kontinentalplatte genau hier lang verläuft. Doch dazu gleich mehr.

Wir fuhren durch Akureyri durch und ich bekam sofort ein Kribbeln im Bauch. Während Reykjavik sichtlich voll mit Touristen ist und viele hässliche Häuser und Industrie vorzuweisen hat, so ist Akureyri einfach nur schön! Die Häuser sehen aus wie aus einem Astrid Lindgren Roman entsprungen und man sieht fast immer das Wasser im Hintergrund. Je weiter wir östlich fuhren – also weg von Akureyri, hin zum Myvatn-See – desto ländlicher und verschneiter wurde die Welt um uns herum. Etwa auf der Hälfte des Weges hielten wir an, denn die nun erste richtige Natur-Attraktion wartete hier auf uns: Der Godafoss – Wasserfall. Ich muss gestehen, Worte dafür zu finden, was man in dem Moment denkt, wenn man davor steht ist schwierig. Und die Größe dieses Wasserfalls einzufangen ist noch schwieriger. Ich war jedenfalls richtig baff. Das Wasser hat so laut gerauscht, es hingen zum Teil noch große Schnee- und Eisblöcke an ihm. Die Farbe war in einem wunderschönen blau und gemeinsam mit dem Schnee war es so idyllisch, dass ich wieder mal sicher war, dass das nicht real sein kann.

Schneemassen, lautes Rauschen, die Tiefe. Es geht so tief hinab, dass man Angst hat auch nur einen falschen Schritt zu gehen. Unreales türkis, schwarz und weiß. Eisiger Wind – laute Stille.

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Photograph Ice-cold Goðafoss by André Ruske on 500px

 

Oben: Meine zwei Bilder, Unten (Anklicken, um zur höheren Auflösung zu kommen): Von André.

Wir fuhren weiter, bis wir an unserem nächsten Ziel ankamen. Der Schnee war plötzlich viel weniger geworden, als könnte er durch die Wärme, die hier in der Erde schlummerte schlechter liegen bleiben. Vielleicht war es auch nur Zufall. Ich war froh, dass es im Winter keine Mücken gibt. Dann hätte man die Ruhe, die der See ausstrahlte sicherlich nicht so genießen können. Das Wasser war ganz ruhig. Gelegentlich flogen ein paar Vögel über den See oder nahmen ein Bad. Steinformationen erinnerten daran, wie dieser See und seine direkte Umgebung entstand, nämlich durch einen Vulkanausbruch.

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Myvatn.

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Wir wären gerne noch viel viel länger an dem See geblieben, es war so idyllisch, doch unser Zeitplan war straff, also ging es weiter. In dem Gebiet hinter dem See ballt sich eine Menge, was Island an Naturschauspielen so zu bieten hat:

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Ein kleiner, klarer, blauer geothermischer See. (Ein Überlaufsee des Geothermalkraftwerkes Bjarnaflag.)

Aufgrund von Hot Spots unterhalb der Wasseroberfläche. sollte man dort besser nicht baden. An dieser Stelle fällt mir eine sehr wichtige Info ein, die ich bisher bei allen Schwärmereien vergessen habe: Island stinkt. Also leider tatsächlich, und zwar nach Schwefel. Diesen Geruch kennen die meisten als „faulen Eier“- Geruch aus dem Chemieunterricht. In den ersten Tagen war ich immer wieder erschrocken, wie eklig der Geruch ist, doch man gewöhnt sich nach einer Weile tatsächlich daran. Am Schlimmsten riecht es dort, wo die Dämpfe direkt aus dem Erdinneren kommen. Wasserfälle riechen nicht nach Schwefel, zumindest die, bei denen wir waren. Das Wasser aus der Leitung riecht ebenfalls nach Schwefel. Falls es jemanden interessieren sollte: Der hohe Schwefelgehalt macht unfassbar weiche Haare. 😀

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Zwei dampfende Steinhaufen in dem Hochtemperaturgebiet „Hverarönd“ an Fuße des aktiven Vulkanes Námafjall.

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Hier sieht man deutlich, wie es aus dem Boden dampft. Diese Stellen nennt man „Solfataren“ oder „Fumarole“ (Ich bin kein Wissenschaftler, keine Ahnung was genau der Unterschied ist :D), dort treten Wasserdampf, Schwefelwasserstoff, Schwefel und andere Mineralien aus der Erde aus. Entweder in Form von Gasen oder Dampf.

Collage 6bDadurch bilden sich häufig blubbernde Schlammkessel oder Schlammtümpel. Es ist unfassbar faszinierend sich diese anzusehen, wenn auch ein wenig eklig.

Ein besonders krasser Moment war, als es plötzlich angefangen hat zu schneien. Du hast unter dir brodelnden Schlamm, überall dampft es, dir ist bewusst, dass der Berg, den du ununterbrochen siehst ein Vulkan ist, der zuletzt 1975-1984 ausbrach. Allein das macht die Situation irgendwie unheimlich und dir wird die Macht der Natur bewusst. Doch dann schneit es. Schnee passt gar nicht zu diesem von Hitze (auch wenn es natürlich nicht warm war. :D) dominierten Moment. Das Land von Feuer und Eis. Es war zu keinem Moment der Reise so präsent wie dort.

Leider hat der Schnee uns einen ordentlichen Strich durch unseren weiteren Plan gemacht. Eigentlich wollten wir im Freibad in Myvatn baden gehen – das ist gar nicht so verrückt, wie es klingt, das Wasser ist ja super heiß! – und vor allem noch in die Grjotagjá steigen. Doch ersteres fiel weg, weil ich eh schon krank war und nicht den Rest des Urlaubs mit Fieber im Bett liegen wollte und zweiteres konnten wir vergessen, weil der Eingang zur Grotte mit Schnee und großen vereisten Stellen bedeckt war. Trotzdem war der Moment an der Grotte sehr schön, weil wir ein total liebes asiatisches Pärchen kennenlernten, die uns dann zu unserem einzigen nicht selbst geschossenen Pärchenfoto des Urlaubs verhalfen. Leider gibt es sonst keine Fotos direkt an der Grotte, weil der Schnee so stark war, dass ich meine Kamera gar nicht erst mit aus dem Auto nahm und André seine nach dem Foto auch schnell wieder einpackte. Ein Grund mehr also im Sommer wieder herzufliegen.

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Diese beiden Bilder hat André letztes Jahr im Sommer in der Grotte gemacht und ich wollte sie euch an dieser Stelle nicht vorenthalten. (Anklicken, um zur höheren Auflösung zu kommen.)

Grjótagjá - An Icelandic Cave
Grjótagjá - An Icelandic Cave

Auf unserem Rückweg wurden wir mit einem wunderschönen Blick über Akureyri belohnt. Da war der Ärger über den Schneesturm (Isländer würden uns für dieses Wort für das kleine Stürmchen wohl auslachen.) wieder vergessen. Ich schlief so unfassbar schnell ein, denn allein die Tatsache realisieren zu müssen, wie schnell sich die Natur um dich herum verändert, macht sehr sehr müde.

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20. März, Tag Vier: Das Erkunden des Eyjafjördur.

Nachdem wir die Tage davor so viel erlebt hatten und wussten, dass der Rest des Urlaubs ähnlich aussah, beschlossen wir einen Tag etwas ruhiger angehen zu lassen. Für 9:35 Uhr war erstmal die Sonnenfinsternis angesagt. Organisiert wie wir sind *hust* hatten wir keine speziellen Brillen dabei. Da die Sonne in Island ja noch etwas stärker ist, als hier bei uns, und wir daher lieber nicht reingucken wollten, beschlossen wir zu dem Aussichtspunkt vom Abend davor zu fahren und zu beobachten, wie sich das Licht auf der Stadt beim Eintreten der Finsternis verändert. Nur so viel: Das rechtzeitige Aufstehen hätten wir uns wirklich sparen können. Die Wolken kamen pünktlich um viertel nach 9, sodass man die Sonne nicht mal mehr erahnen konnte. Es wurde ein bisschen dunkler, aber wie gesagt, kann auch von den Wolken gekommen sein. Wir hatten vermutlich einfach nur den komplett falschen Standort ausgewählt. Das Licht war so, als würde es gleich anfangen zu dämmern. Aber mehr auch nicht. Was für eine Enttäuschung…

Als Tagesziel setzten wir uns den Fjord „Eyjafjördur“, an dem Akureyri legt, sowohl in südliche, als auch in nördliche Richtung zu erkunden. Zunächst ging es also in den Süden. Die Natur dort war (wie kann man es auch anders erwarten…) sehr schön. Im Hintergrund waren schneebedeckte, weiße Berge zu sehen, davor breite und schmale Flussarme, die sich durch grüngelbliche Grasflächen zogen. Wir hielten an mehreren Stellen an, und konnten an einer dann sogar bis zum Wasser laufen. Die Sonne strahlte und glitzerte auf dem Wasser. Dazu dann die Eisschollen, die stellenweise am Ufer lagen und die weißen Berge – Gegensätze, die nicht stimmiger hätten sein können.

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Da der Weg verhältnismäßig kurz war und wir den Tag dann auch nicht primär im Zimmer rumgammeln wollten, ging es danach noch in den Norden von Akureyri nach Dalvik. Dieser Fischerort, der sich auch mit „Talbucht“ übersetzen lässt, hat gerade mal 1366 Einwohner. Gemütlich! 😀 Wir tranken Kaffee und Tee in einem süßen kleinen und sehr „typisch“ eingerichteten Café und suchten danach das Meer. In einer Stadt, die direkt am Wasser liegt, ist ein Strandspaziergang natürlich ein Muss. Wir wurden mit einem schönen Strand belohnt, der mir bereits herrlich schwarzen Sand zeigte. Ein Phänomen in Island, auf das ich später nochmal eingehen möchte. Anschließend fuhren wir wieder nach Akureyri zurück.

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Nach einer kurzen Pause in unserem Cottage holten wir uns Essen bei Serrano, einer mexikanischen Fastfoodkette (vom Prinzip her ähnlich wie Subway). Auch wenn es die meisten vielleicht nicht interessiert: Ich hatte Burritos gefüllt mit Reis, gegrilltem Gemüse, Salatkrams und CHIPS und dazu noch mehr Nachos mit Guacamole. Wer Angst hat, als Veganer verhungert man in Island, den kann ich beruhigen. Es gibt sogar Sojamilch in der billigsten Supermarktkette. Nach unserem Essen schmissen wir draußen den Whirlpool an. Es wurde immer dunkler (das Wasser brauchte deutlich länger, den Whirlpool zu füllen, als uns gesagt wurde.) und natürlich auch kälter, und die Überwindung, durch die eisige Nacht zu rennen HALBNACKT, um dann in eigentlich viel zu heißes Wasser zu steigen, immer größer. Aber es lohnte sich. Ein sehr schönes Erlebnis, auch wenn unsere Haut danach wirklich komplett rot war und mein Kopf so sehr geglüht hat. Den Kreislauf hat es gefreut.

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21. März, Tag Fünf: Rückfahrt nach Reykjavik mit viel zu viel Wind und ein Abend in der Stadt.

Insgesamt 8 Stunden waren wir unterwegs, bis wir Abends wieder in Reykjavik ankamen. Man sollte ja meinen, dass der Rückweg einer so langen Strecke deutlich schneller geht, als der Hinweg, weil man doch das meiste schon gesehen hat, bei den meisten Sachen schon gehalten hat. Nun hatten wir uns aber einen kleinen Abstecher in den Kopf gesetzt. Nämlich nach Hvitserkur (zu deutsch: „weißes Nachthemd“) ein fünfzehn Meter hoher Felsen, der an der Ostküste einer Halbinsel im Nordwesten Islands liegt. Laut einer Sage ist dieser Fels ein versteinerter Troll, der die Sonne nicht bemerkte, während er ein Kloster mit Steinen bewarf. Für mich sieht dieser Felsbrocken eindeutig aus wie ein Elefant, aber egal. Angeblich kommt man irgendwie auch an dieser Stelle der Küste nach unten, doch wir wurden im Auto schon auf dem Weg dahin fast weggeweht. Als wir dann ausstiegen und zum offiziellen Aussichtspunkt liefen, regnete es noch zusätzlich. Es gibt also kein von uns gemachtes Foto, sondern nur einen kleinen Videoausschnitt, mit meinem Camcorder. Der Umweg war als mehr oder weniger umsonst. Natürlich sah es auch von oben sehr schön aus, aber der Regen und die Tatsache, dass es keinen Weg nach unten gab, ärgerten uns unglaublich dolle.

Hier könnt ihr es euch ansehen. Der nächste Steven Spielberg werde ich nicht, ahahaha, aber für ein paar Eindrücke reicht es denke ich.

Wir hielten noch ein paar Mal an, wobei diese Fotos entstanden.

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Dann ging es straight zurück in die Hauptstadt. Für den Abend waren wir auf ein Bier mit Gissur und seiner Freundin Eydis verabredet. Zwei wahnsinnig liebe Gasthausbesitzer aus den Westfjorden, die André letztes Jahr kennenlernte. Sie holten uns mit einem unglaublich schicken Volvo ab (*___*) und dann sahen wir beide Reykjavik zum ersten Mal bei Nacht, und ich muss gestehen: Da gefiel es mir direkt viel besser. Die bunten Lichter. Weniger Touristen, mehr Isländer. Und vor allem die Innenstadt macht einen ganz anderen Eindruck, als der Rest. Wir gingen in das „Mikkeller & Friends“ einem Pub, der zig verschiedene Biersorten anbot und dessen Ambiente eher an das England der 20er erinnerte. Eine schöne Zeitreise also. Danach führten uns die beiden noch durch die Stadt und zeigten uns, wo die „Dorfjugend“ so feiern geht und prollig mit ihren Autos herumfährt. Danach schauten wir uns noch die spektakulär beleuchtete „Harpa“ an, ein erst 2011 eröffnetes Opern- und Konzerthaus. Der lange Tag und der Abend machten mich so müde, dass wir schon auf dem Weg dorthin fast die Augen zufielen. Wir versprachen im Sommer spätestens in die Westfjorde zu kommen und beschlossen somit quasi spontan unsere Flitterwochen in Island zu verbringen.

Opernhaus

22. März, Tag Sechs: „The Golden Circle“.

Foggy Icelandic Mountain
(Anklicken, um zur höheren Auflösung zu kommen): Von André.

Im „Golden Circle“ kann man die drei bekanntesten Attraktionen Islands mit nur einer Rundtour erleben. Theoretisch kann man südlich der Attraktionen zurück fahren (und somit tatsächlich einen Kreis fahren) wir haben uns jedoch dagegen entschieden, hauptsächlich weil das Wetter plötzlich komplett umschlug.

Unseren ersten Halt machten wir im Westen des Sees „Pingvallavatn“.  André erzählte, dass an genau dieser Stelle im letzten Jahr viele gestapelte Steinhaufen zu sehen waren. (Man nennt sie tatsächlich „Steinmännchen“, oder auf isländisch Varda, und sie dienen zum Schutz vor Trollen.) Doch wir fanden nur einzelne Steine im Schnee vor. Vermutlich hatten der Winter und die vielen Stürme sie umgeworfen. Wir fragen uns, ob die Isländer die Steinhaufen vielleicht zum Sommer hin wieder aufbauen. Trotzdem war der Ausblick auf den See wunderschön!

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Pingvallavatn.

Man musste nur ein kurzes Stück weiterfahren, bis man im Norden des Sees beim Ort und Nationalpark „Pingvellir“ ankam. Hier wird einem als Mensch wirklich sehr sehr deutlich, wie klein und unbedeutend du eigentlich auf dieser großen Erde bist. Der Nationalpark liegt mitten in einer Grabenbruchzone, wo die amerikanische und europäische Kontinentalplatten auseinanderdriften. Dies wird durch die riesigen Felsspalten und viele Risse deutlich. Durch die Almannagjá (zu deutsch: Allmänner – Schlucht) kann man direkt durchgehen und diese Schlucht ist der einzige Ort auf der Erde, wo die Grenze zweier Erdplatten und deren Verschiebung mit der Zeit so greifbar wird. Jährlich bewegen sie sich um etwa 1 cm. Umgeben ist Pingvellir von vier aktiven Vulkansystemen – ein nicht ganz so beruhigendes Gefühl. Als wir auf dem Parkplatz ankamen, begann es gerade zu schneien. Wir packten also unsere Regencapes aus und wagten uns nach draußen. Man kann über viele Brücken über die vielen, teilweise noch vereisten, Flüsse dort laufen, das Wasser ist so wahnsinnig klar. Als es auch noch zu hageln begann, war der „Overload an Naturschauspielen“ perfekt. Während man in die meisten Flüsse dort kein Geld werfen durfte, so war direkt am Anfang ein kleiner Abschnitt, in dem kein Verbotsschild und dafür umso mehr Münzen drin lagen. Wir warfen also gemeinsam eine – schaden kann es ja nicht. 😉

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Auf unserer weiteren Strecke wollten wir eigentlich noch zu einem Wasserfall, der etwas versteckter liegt. Ich mach es kurz: Wir haben ihn nicht gefunden! Interessant ist, obwohl wir wirklich nur mehrere hundert Meter Luftlinie davon entfernt waren, konnten selbst Anwohner uns nicht helfen. Würde ich dort wohnen, ich würde jeden Zentimeter Erde dort kennen wollen. Ein Gutes hatte unsere verzweifelte Suche jedoch: Wir fanden Island-Pferde! Gut, davon gibt es sehr sehr viele, aber die meisten sind ja doch eher scheu. Aber an dieser Stelle nicht… es waren bereits andere Touris da und so kletterten auch wir über die Absperrung, die eigentlich für kein Pferd ein richtiges Hindernis ist und kuschelten mit diesen wundervollen Geschöpfen. In der Grundschule wollte ich immer Reitlehrerin werden und ich liebte Pferde abgöttisch. Die Liebe zu ihnen ist nun definitiv wieder da. Das eine Pferd wollte die ganze Zeit meine Haare und Schnürsenkel auffuttern und das andere hat immer seinen Kopf an mich geschmiegt. Am liebsten hätte ich sie mitgenommen.

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Fotos hat alle drei André gemacht. ❤

Als nächstes ging es in das Geothermalgebiet „Haukadalur“. Dort gönnten wir uns erstmal Pommes und Pizza! Was sein muss, muss sein. Danach ging es erneut ins Schwefelparadies. Dort gibt es einmal den großen Geysir zu sehen, den Namensgeber aller anderen Geysire. Dieser ist allerdings unspektakulär, weil er inzwischen kaum noch ausbricht. Spannender dagegen ist Strokkur (zu deutsch: Butterfass), ein Geysir, der rund alle 5-10 Minuten ausbricht und dabei eine bis zu 20 Meter hohe, kochendheiße Fontäne in die Luft schießt. Geht man ein Stückchen weiter, findet man die Blesiquelle, zwei direkt nebeneinanderliegende Quelltöpfe. Eine uns allen bekannte sehr kluge Internetwissensseite verrät: Das Wasser in dem einen Topf ist wegen der darin vorhanden Kieselsäure tiefblau gefärbt, in dem anderen Topf ist die Kieselsäure vollständig gelöst, weshalb das Wasser klar erscheint. Jedenfalls dampfen beide und stinken nach faulen Eiern.

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So viel Dampf. Unten Links blubbert der „Little Geysir“ vor sich hin“. Warnschilder im gesamten Gebiet machen nur Schissern wie mir Angst. Ich habe mindestens zwei Touristen gesehen, die ihre Finger ist kleine dampfende Bäche steckten. Wem es Spaß macht…

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Anschließend ging es für uns zum Wasserfall „Gullfoss“, der aufgrund der Übersetzung „goldener Wasserfall“ Namensgeber des „Golden Circles“ ist. Der Wasserfall war – wie ja eigentlich alles in Island 😀 – super beeindruckend. Leider konnte man nicht ganz rangehen, wie im Sommer, da der Weg komplett vereist war. Und wenn die Isländer schon Warnschilder aufstellen, dann mag das was heißen!

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Als Abschied dieses schönen Tages malte die Sonne die Wolken rosa und der Schnee malte die Landschaft weiß.

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23. März, Tag Sieben: Die Südküste entlang bis nach Höfn.

Unsere nächste Übernachtung war in Höfn (gesprochen: Höp), im Südosten Islands, geplant. Auf der Fahrt dahin gab es so unfassbar viel zu sehen.

Der erste Halt war am Seljalandsfoss – ein wundervoller Wasserfall, der 66 Meter tief fällt. Man steht am unteren Ende, und im Sommer kann man sogar dahinter gehen. Im Winter theoretisch auch, denn hier gab es keine Warnschilder. Allerdings hat es uns gereicht zu sehen, wie die anderen Touris verzweifelt über die Eisfläche schlitterten, die sich auf dem schmalen Weg gebildet hatte. Optimistisch wie wir waren, sind wir an der einen Stelle auch eine Treppe hochgelaufen, jedoch wieder umgedreht, als die erste Eisfläche kam. Ich bin ganz elegant aufn Hintern gefallen und dann runtergerutscht, aber das dritte Bild hab ich von dort aus gemacht, insofern hat es sich zumindest ein bisschen gelohnt. Die Lichtverhältnisse waren wirklich wunderschön, die Sonne kam gerade erst hinter dem Berg hervor.

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Seljalandsfoss
(Anklicken, um zur höheren Auflösung zu kommen): Von André. Hier sieht man links übrigens die Treppe mit dem Geländer, wo wir hochgegangen sind. Das weiße ganz rechts ist besagte Eisfläche. Auf dem Bild sieht es harmloser aus, als es war. 😀

Weiter ging es bis zum Skógafoss: 25 Meter ist er breit und fällt 60 Meter tief. Hier waren so unfassbar viele Touristen, dass ich froh bin sie wenigstens auf einem Bild nicht mit drauf zu haben. Meine Abneigung gegen Menschen, die merkwürdige Posen machen, damit es so aussieht, als würde der Regenbogen aus ihren Händen schießen oder sie würden ihn stemmen, ist sooooo groß. Warum kann man nicht einfach die Natur genießen? An dieser Stelle hörte man ganz viele Vögel zwitschern, die in den Felsen nisteten und das Wasser rauschte. Erwähnte ich bereits unser Glück mit dem Wetter? Der Himmel war strahlend blau. Natürlich war es windig, aber nicht kalt oder unangenehm. Auch wenn es eigentlich Quatsch ist, müsst ihr euch diesen tollen Wasserfall nun zweimal ansehen: Edition Touri und Profi. 😀

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Skógafoss
(Anklicken, um zur höheren Auflösung zu kommen): Von André.

Unser nächster Stop war in Vík (oder auch: Vík í Mýrdal = Bucht am sumpfigen Tal), dem südlichsten Ort Islands, der nicht mal 300 Einwohner zählt. Dafür aber eine vielfache Menge an Vögeln. In Vik sind wir zum Strand gegangen, der zu den 10 schönsten Stränden der Welt zählt. Zu Recht. Der Sand ist schwarze Lava – fühlt sich aber an wie der Sand, den wir halt so kennen – und die Wellen sind stellenweise so wild und hoch, dass man nicht mal im Traum daran denken würde, darin zu baden. Man kann am Strand drei schwarze Felsen sehen, die gemeinsam „Reynisdrangar“ heißen. Laut der Legenden sollen dies Trolle sein, die ein Schiff an Land brachten und dabei die Sonne vergaßen, die sie versteinerte. Als Märchen-Fan gefällt mir das total gut. Überall in Island ist es so mystisch, dass ich mir das nur mit Märchen und Sagen erklären kann. Wir blieben lange am Strand und beobachteten die Möwen, die dort in den Felsen – sicher vor allen anderen Tieren – brüteten.

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Doch unser Zeitplan war sehr straff, weshalb wir dann bis zur Gletscherlagune „Jökulsárlón“ fuhren. Dieser See ist der bekannteste Gletschersee in Island, mit einer Tiefe von 248 Metern der tiefste und mit einer Fläche von 18 km² auch mit der größte See in Island. Die Sonne war bereits dabei unterzugehen und es war so windig, das könnt ihr euch nicht vorstellen. Die riesigen Eisbrocken waren beeindruckend. Da wir noch eine Stunde Fahrt bis nach Höfn vor uns hatten, machten wir uns während des Sonneuntergangs auf den Weg. Schließlich waren wir bereits am nächsten Morgen schon wieder an dem See. Hier sollte nämlich der Treffpunkt unserer „Ice Cave Tour“ sein.

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Jökulsárlón
(Anklicken, um zur höheren Auflösung zu kommen): Von André.

Kurz vor Höfn sahen wir auf einer Weide rechts von uns tatsächlich Rentiere! Ich bin ausgeflippt vor Freude. André fror sich die Hände ab, um wenigstens ein paar Fotos machen zu können. Ehrlich gesagt hätte ich nie gedacht überhaupt Rentiere zu sehen in unserem Urlaub. Trotzdem schlief ich in unserer Unterkunft in Höfn schnell tief und fest ein. Das Haus dort war riesig und richtig schön, schade, dass wir dort nur so wenige Stunden waren.

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24. März, Tag Acht: Von schmelzendem Eis und Naturgewalten.

Wir sind soooo früh in Höfn aufgestanden, da wir pünktlich um 9 Uhr am Café an der Ice-Lagoon sein mussten, da von dort aus die Eishöhlentour losgehen sollte. Ich hatte tierisch Angst, denn ich hab so viele Phobien – und Platzangst gehört da definitiv mit zu. Aber hey, Augen zu und durch. Man lebt nur einmal und ich habe vor einiger Zeit gelernt mit Ängsten umzugehen. Auf unserem Weg lief uns erstmal fast ein Rentier vors Auto. 😀 Dann sahen wir ganz viele, sie alle grasten links und rechts auf den Flächen von der Straße und insgesamt drei überquerten die Straße vor uns. Eins hielt sogar an und wartete, bis wir auch wirklich ganz standen. Leider ging alles so schnell, also habe ich davon keine Fotos aber ein kurzes Video.

Trotz unseres morgendlichen Treffens mit den Rentieren kamen wir überpünktlich an der Eislagune an. Wir machten einige Fotos und warteten… und warteten. Gegen viertel nach 9 begonnen wir Panik zu schieben, dass wir falsch standen, denn es war ungelogen niemand anders dort. 😀 André versuchte den Veranstalter telefonisch zu erreichen, doch wir hatten beide so gut wie kein Netz an dieser Stelle. Großartig. Er ging dann in das Café rein (was von außen übrigens komplett verschlossen aussah) und die Leute dort erzählten ihm, die Tour würde ausfallen, so wie alle Touren, die für die nächsten Wochen noch angesetzt waren. „Spring came to early.“ Das Eis begonn bereits zu schmelzen, so dass es zu gefährlich sei in die Eishöhlen zu gehen. Ich gestehe: Ich war so erleichtert. Natürlich war ich auch enttäuscht, weil ich trotz aller Angst mich auch drauf gefreut hatte. Aber die Steine fielen trotzdem von meinem Herzen. Das Geld bekommen wir zurück. Alles also kein Problem. Aber trotzdem irgendwie lustig, dass ausgerechnet in dem Land, welches nach „Eis“ benannt ist, das Eis nun so früh im Jahr schon schmilzt.

Da wir ja im Prinzip bis 12 Uhr in den Eishöhlen unterwegs gewesen wären, verbrachten wir den kompletten Vormittag am Strand nahe der Eislagune. Der Gletschersee ist mit dem Meer verbunden, was bedeutet, dass regelmäßig die großen Eisblöcke ins Meer hinaus geschwemmt werden. Durch die Brandung werden sie mit den Wellen wieder an den Sand gespült und stehen dort als wunderschöne Eisskulpturen in der Gegend rum. Schwarzer Sand, riesige Eisblöcke, blauer Himmel. Unrealistischer ging es kaum noch, und das als Alternativprogramm zu der Eishöhlentour war toll. Die Sonne strahlte so herrlich. Ein bisschen Sand hab ich mir geklaut. Ein Mitbringsel für mich & für meine Beste und ihren Freund. ❤ Ich hab natürlich vorm Abflug gefragt, ob das auch wirklich erlaubt ist. Steine darf man nämlich nicht mitnehmen und bevor ich in Island verhaftet werde. 😀

Die Eisformationen am Strand waren so einzigartig, dass ich hier lieber Bilder sprechen lasse. Einige Eisblöcke waren auch noch im Wasser und die Wellen sind direkt an ihnen gebrochen. Als Mensch fühlt man sich so klein, wenn man sieht, was die Natur so kann. Die Sonne glitzerte im Eis und ich fühlte mich wie in ein Märchen versetzt. Das klingt so abartig kitschig, entspricht aber komplett der Wahrheit. Island ist wie ein fremder Kontinent. Hier in Deutschland gibt es Flüsse, Seen, Berge – aber das alles ist irgendwie noch realistisch. Die Realität geht in Island komplett verloren.

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Um mal die Größenverhältnisse zu sehen 🙂 (und meine schicke Regenhose :D)

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Jökulsárlón Iceberg
 (Anklicken, um zur höheren Auflösung zu kommen): Von André.
Jökulsárlón - A Story Of Ice & Black Sand
(Anklicken, um zur höheren Auflösung zu kommen): Von André.

Wir sind dann durch Vik zurückgefahren und haben kurz dahinter an einem Aussichtspunkt angehalten. Von hier hat man die versteinerten Trolle nochmal von der anderen Seite gesehen und unfassbar viele Vögel beobachten können.

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Oben links: Die Kirche von Vik. Oben rechts: Der Weg zum Aussichtspunkt. Unten: Die Aussicht.

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Die Isländer legen viel Wert auf den Schutz der Natur und vor allem auch den Schutz der Vögel während sie brüten. Den meisten Touristen ist das leider egal. Das Vogelpäärchen unten links habe ich mit viel viel Zoom fotografiert, um bloß nicht zu Nahe ran zu gehen. Jemand anders ist wirklich bis einen Meter an die Tiere rangegangen. Unglaublich, wie wenig Respekt man vor der Natur haben kann. André hat mir sehr viele Tipps gegeben, wie ich meine Kamera einstellen muss, um vernünftige Bilder der fliegenden Möwen zu bekommen. 🙂 Wir haben echt lange an derselben Stelle gestanden und beide in den Himmel geknipst.

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Eyjafjallajökull – so heißt der Gletscher, unter dem der Vulkan liegt, der zuletzt 2010 ausgebrochen ist und den gesamten Flugverkehr in Europa lahmgelegt hat. Seinen Namen auszusprechen ist selbst für Isländer offenbar eine Herausforderung, denn es gibt viele Tshirts und andere bedruckte Souveniers mit dem Spruch „Which part of Eyjafjallajökull don’t you unterstand?“ Wir sind dran vorbeigefahren (auf dem Hinweg sicher auch schon, aber hey, sowas kann man ja mal übersehen :P) und ich hoffe, dass ich das richtige fotografiert habe. In jedem Fall ist es sehr unheimlich zu wissen, dass vor 5 Jahren genau dort, wo man sich befindet, alles evakuiert wurde und eine riesige Aschewolke in den Himmel gepustet wurde.

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Zurück in Reykjavik angekommen holten wir uns bei Subway Abendessen. Es war nun die letzte richtige Nacht in Island – nach Hause wollten wir eigentlich beide nicht so richtig.

25. März, Tag Neun: Reykjaviks Innenstadt.

Unseren letzten Tag in Island wollten wir ganz entspannt mit der Innenstadt von Reykjavik verbringen. Nachts um 2 Uhr sollte der Wecker schon wieder klingeln, damit wir rechtzeitig zum Flughafen kommen, also musste der Tag natürlich halbwegs entspannt verlaufen. Das Sightseeing beschränkte sich auf zwei Stellen, dann shoppten wir noch ein paar Souveniers und gönnten uns ein für unseren Geschmack viel zu gesundes Essen in einem veganen Restaurant.

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Hallgrimskirkja – die fast 75 Meter hohe evangelische Kirche im Stadtkern Reykjaviks prägt das Stadtbild. Der Bau der Kirche begonn 1945 und endete 1986.

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Ein bisschen Street-Art.

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Speeddating für einsame Handschuhe.

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Der gesunde Burger im Gló. War schon lecker, aber irgendwie hätte ich mir was fettiges gewünscht. 😀

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Diese Skulptur aus Edelstahl nennt sich Sólfar (= Sonnenfahrt) und wurde 1986 geschaffen. Sie zeigt zum Sonnenuntergang im Norden und stellt ein Wikingerschiff dar. Leider war bei uns gar keine Sonne zu sehen – es regnete fast die ganze Zeit.

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Im kalten Island könnten auch die Straßenschilder frieren….

Wir versuchten früh zu schlafen, was natürlich nicht klappt, wenn es sein muss. Hauptschuld trugen unsere extrem lauten Mitbewohner und der bellende Hund des Gasthausbesitzers. Trotzdem klingelte um 2 Uhr der Wecker. Wir gaben uns keine große Mühe leise zu sein. Die Koffer bis zum Auto zu tragen ist natürlich grundsätzlich jetzt nicht so laut. Aber es hatte erneut geschneit und die Autoscheiben waren zugefroren. Die armen Bewohner der normalen Häuser. Da war der Hund seit ein paar Stunden still und wir kratzen das Auto frei. Die Abgabe des Mietwagens war unkompliziert. Das Einchecken ebenso. Wir waren die ersten und mit uns flogen nur wenige „normale“ Passagiere und dafür eine große Schulabschlussgruppe aus Island. Da auch das Flugzeug freigekratzt werden musste, flogen wir mit über einer Stunde Verspätung los. Ist ja an sich kein Drama, aber sie haben uns alle schon zeitig ins Flugzeug steigen lassen, wodurch dort die Luft immer ekliger wurde und kurz vorm Abflug sogar Wasser verteilt wurde. Wir kamen aber heile in Berlin an und bekamen dank einer großartigen Taxifahrerin sogar unseren Fernbus am ZOB.

Jetzt, wo ich diese Worte schreibe, ist der Urlaub bereits einen Monat her. Ich habe in den letzten Wochen oft Fernweh gehabt. Island ist so ein schönes Land und ich freue mich schon sehr, wenn wir unsere Flitterwochen dort verbringen werden. Ich kann jedem nur wärmstens empfehlen dorthin zu fahren. Mietet euch ein Auto, mietet euch Gasthauszimmer und entdeckt das Land. ❤ Das Leben ist zu kurz, um es nicht zu genießen! Ich freue mich, dass ihr den Beitrag angeschaut bzw. gelesen habt und würde mich sehr über Kommentare freuen.

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Ein Gedanke zu “Roadtrip in Island

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